Dacia richtet sein Modellprogramm für die kommenden Jahre neu aus. Der rumänische Hersteller aus der Renault-Gruppe hat eine Roadmap bis 2030 vorgestellt, die eine stärkere Elektrifizierung, neue Modellklassen und mehrere vollelektrische Fahrzeuge vorsieht. Gleichzeitig will die Marke ihrem Kernprinzip treu bleiben: einfache Technik, robuste Autos und möglichst niedrige Preise.
Gerade dieses Konzept hat Dacia in Europa in den vergangenen Jahren überraschend erfolgreich gemacht.
Das Erfolgsrezept: konsequente Kostenkontrolle
Ein zentraler Bestandteil der Strategie ist das sogenannte Design-to-Cost-Prinzip. Dabei werden Fahrzeuge von Anfang an so entwickelt, dass sie möglichst günstig produziert werden können. Laut Hersteller liegen die Produktionskosten dadurch rund 15 Prozent unter dem Branchendurchschnitt.
Neben der Konstruktion der Fahrzeuge spielen auch andere Faktoren eine Rolle. Dacia setzt auf eine stark optimierte Produktionsstruktur mit hoher Auslastung der Werke sowie ein vergleichsweise schlankes Vertriebsnetz. Die Vertriebskosten sollen laut Unternehmen weniger als halb so hoch sein wie bei vielen westeuropäischen Herstellern.

Das Ergebnis ist eine hohe Kundenbindung. Mehr als 70 Prozent der Käufer entscheiden sich laut Dacia beim nächsten Autokauf erneut für ein Modell der Marke. Weitere zehn Prozent bleiben innerhalb des Konzerns und wechseln zu Renault. Insgesamt bleiben damit rund 80 Prozent der bisherigen Kunden in der Renault-Gruppe.
Vier Elektroautos bis 2030 geplant
Ein wichtiger Teil der neuen Strategie ist der Ausbau der Elektromobilität. Bis 2030 plant Dacia vier vollelektrische Modelle.
Den Anfang macht ein kleines Elektroauto im A-Segment. Es basiert auf der AmpR-Small-Plattform der Renault-Gruppe und soll in Europa produziert werden. Laut Hersteller wurde das Modell in weniger als 16 Monaten entwickelt. Der geplante Einstiegspreis liegt unter 18.000 Euro.
Neben reinen Elektroautos will Dacia auch Hybridantriebe stärker in das Portfolio integrieren. Aktuell ist etwa jedes vierte verkaufte Fahrzeug der Marke elektrifiziert. In Zukunft soll dieser Anteil deutlich steigen. Das Unternehmen rechnet damit, dass künftig rund zwei Drittel der Verkäufe auf elektrifizierte Antriebe entfallen werden.

Mehr Fokus auf größere Fahrzeuge
Parallel dazu will Dacia stärker in größere Fahrzeugklassen wachsen. Das sogenannte C-Segment – also größere Autos für Familien und längere Strecken – soll deutlich ausgebaut werden.
Aktuell entfallen etwa 20 Prozent der Verkäufe auf diese Klasse. Mittelfristig soll der Anteil auf rund ein Drittel steigen.
Neben dem bereits vorgestellten SUV Bigster plant Dacia deshalb ein weiteres Modell: den Kombi Striker.
Der Striker ist als Lifestyle-Kombi mit erhöhter Bodenfreiheit konzipiert und soll mit einer Länge von 4,62 Metern mehr Platz und Alltagstauglichkeit bieten. Laut Hersteller richtet sich das Modell an Käufer, die ein geräumiges Fahrzeug suchen, ohne auf ein preisorientiertes Konzept verzichten zu wollen.
Geplant sind mehrere Antriebsvarianten, darunter Hybrid, eine Hybridversion mit Allrad sowie eine LPG-Variante. Der Striker soll gemeinsam mit dem Bigster eine neue Modellfamilie im C-Segment bilden. Die vollständige Vorstellung des Autos ist für Juni angekündigt. Der Einstiegspreis soll unter 25.000 Euro liegen.
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Auch der Sandero wird elektrischer
Parallel arbeitet Dacia an der nächsten Generation seines meistverkauften Modells. Der kommende Sandero soll erstmals eine vollständig multi-energetische Antriebspalette erhalten.
Damit will der Hersteller künftig mehrere Antriebstechnologien parallel anbieten und sie je nach Markt flexibel einsetzen – vom klassischen Verbrenner über Hybrid bis hin zu elektrifizierten Varianten.
Electric Rides Einschätzung
Dacia bleibt sich treu und versucht, Elektromobilität nicht über Technikspielereien zu verkaufen, sondern über den Preis. Genau dort liegt auch die Chance der Marke.
Wenn ein Elektroauto tatsächlich unter 18.000 Euro startet, könnte das für viele Käufer der erste realistische Einstieg in die Elektromobilität sein. Gleichzeitig zeigt die Strategie aber auch, dass Dacia nicht nur auf günstige Kleinwagen setzt. Mit Modellen wie Bigster und Striker will man künftig auch Familien erreichen, die mehr Platz brauchen.
Die große Frage wird sein, ob sich das günstige Konzept auch bei Elektroautos langfristig halten lässt. Denn niedrige Preise sind im EV-Markt deutlich schwieriger zu kalkulieren als bei klassischen Verbrennern.

