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Gefahr für Hersteller: Robotaxis werden den Automarkt umkrempeln

So, nun ist es also soweit. Tesla beginnt mit dem Ausrollen seines Robotaxis. Los geht’s in Austin (Texas/USA). Das Besondere daran: Das Cybercab von Tesla wurde von Grund auf als Robotaxi konzipiert. Es handelt sich nicht um einen PKW, der dann umgerüstet wurde. Das Cybercab hat weder ein Lenkrad oder Pedale, noch „klassische“ Fahrer- und Beifahrersitze. Und natürlich gibt es auch keine Ausstattungsvarianten, keine unterschiedlichen Karosserie-Versionen oder Modelle mit verschiedenen Motorisierungen. Warum auch? Braucht man nicht. Und darum dürfte es für Tesla auch ein Leichtes sein, das Cybercab nahezu vollständig automatisiert und in sehr großer Stückzahl zu produzieren. Und damit natürlich auch deutlich preiswerter als stark individualisierbare Modelle klassischer Autohersteller.

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Masse statt Vielfalt

Wenn sich das „Prinzip Robotaxi“ also einmal durchgesetzt hat, wird sich das auszahlen. Dann wird Tesla die Produktion hochfahren und sich einen großen Teil des Kuchens sichern. Und der Kuchen wird riesig sein. Schon jetzt zeigt der US-Hersteller, dass man mit nur zwei Modellen (Model 3/Model Y) extrem profitabel und marktbeeinflussend sein kann.

Und was machen deutsche und europäische Hersteller, während Tesla „all in“ geht? Sie probieren hier etwas, testen dort ein wenig (im Bezug auf Robotaxis), bejammern den Wegfall des chinesischen Marktes und entwickeln weiterhin mit großem Fokus stark individualisierbare PKW für Endkunden (20 Farben, 5 Ausstattungslinien, 3 Akku-Größen, 3 Motorisierungen).

Aber was wird, wenn es in 10-15 Jahren kaum noch Endkunden gibt? Weil die Gesetzgebung flächendeckend autonom fahrende Wagen erlaubt und die Nutzung oben erwähnter Robotaxis im Schnitt nicht nur praktischer sondern zukünftig eben auch billiger als das eigene Auto ist?

Vorteile von Robotaxis im Vergleich zum Privat-PKW

Schauen wir uns die Vorteile unter den erwähnten Annahmen doch mal etwas genauer an:

  • Ich bezahle nur dann, wen nich auch wirklich gefahren werde. Ein normaler Privat-PKW steht 90% des Tages ungenutzt herum, produziert aber auch währenddessen Kosten (monatliche Rate/Leasing, Wertverlust, Inspektion, Verschleiß)
  • Ich verliere keine Lebenszeit mit der Parkplatzsuche. Parkgebühren zahle ich ebenfalls nicht. Auch eine eigene Garage/Carport entfällt.
  • Zudem kann ich immer direkt vor meinem Ziel aussteigen und muss keinen Fußweg vom Parkplatz in Kauf nehmen.
  • Auch Minderjährige kommen in den Genuss von Individualverkehr.
  • Man kann während der Fahrt in einem Robotaxi 1.000 andere Dinge machen (arbeiten, Film schauen, schlafen, etc.)
  • Überlegungen, wann und wo man seinen Wagen lädt, entfallen.
  • Ältere Menschen, die nicht mehr Autofahren können, sich aber kein herkömmliches Taxi für ihre Fahrten leisten können, können durch die Nutzung von Robotaxis wieder verstärkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.
  • Es wird deutlich entspannter, für lange Strecken die Bahn zu nutzen, da ich für die Fahrt zum Bahnhof (mit Gepäck?) nicht den Bus oder ein teures Taxi mit Fahrer nutzen und eben auch keinen teuren Parkplatz fürs Auto suchen muss. Und am Ziel angekommen weiß ich, dass ich praktisch und günstig vom Bahnhof an mein Endziel komme. Und natürlich bin ich dann auch vor Ort mobil.
  • Die Anzahl von Fahrten unter „Trunkenheit am Steuer“ wird drastisch sinken, wenn man sowieso kein eigenes Auto mehr hat und alle Fahrten mit einem Robotaxi macht.
  • Weil es in Summe weniger PKW gibt, brauchen wir auch weniger Parkplätze und Parkhäuser. Diese Flächen könnten für mehr Grünflächen und Wohnraum genutzt werden.

Wer sich auf dieses Gedankenspiel einlässt, dem werden sicherlich noch viele weitere Vorteile einfallen. Obig erwähnter Schluss, dass die Anzahl von privat gekauften PKW, drastisch sinken dürfte, scheint da nicht mehr abwegig.

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Robotaxis preiswerter als Privat-PKW

Kommen wir nun zur Annahme, dass Fahrten mit einem Robotaxi tatsächlich preiswerter sein könnten, als die Nutzung eines eigenen Autos.

Wie schon erwähnt, dürfte die Fertigung von Einheitsmodellen (2 Sitzplätze, 4 Sitzplätze, bis zu 9 Sitzplätze) in 100% automatisierten Fabriken deutlich günstiger möglich sein, als bei einem hohen Individualisierungsgrad. Zudem könnte diese Fertigung dort erfolgen, wo Energiekosten gering sind. Auf die Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter müssten bei der Standortwahl keine Rücksicht genommen werden.

Ein extrem hoher Grad an Vereinheitlichung (Motor, Akku, Software, Sitze, etc.) hätte zudem auch große Kostenvorteile beim Unterhalt der Robotaxis, da Ersatzteile in ebenso großen Stückzahlen produziert werden könnten. Und auch die Techniker in den Werkstätten der Taxibetreiber könnten durch mehr Spezialisierung schneller und günstiger werden.

Kommen wir zum Betrieb eines Robotaxi-Fuhrparks. Klar dürfte sein, dass man bei der Abnahme größerer Strommengen nicht mehr 0,30 Euro/kWh bezahlt, wie ein Privathaushalt. Geht man nun davon aus, dass die Robotaxis zudem extrem sparsam unterwegs sind (mitschwimmen im Verkehr, hohe Rekuperation, keine starken Beschleunigungen, etc.), so addiert sich das zu sehr geringen Fahrtkosten (kWh/100 Km/Euro).

Die stetig wachsenden Möglichkeiten der KI können zudem dabei helfen, die Fahrten noch besser „vorherzusehen“. Wann sind Stoßzeiten an Bahnhöfen und Flughäfen, wann enden Kino-Vorstellungen, wann kaufen die Menschen normalerweise ein, usw. usw. Werden die Robotaxis optimal ausgelastet, haben weniger Leerfahrten und Standzeiten, erhöht sich ihre Effizienz weiter.

Alles in allem scheint es also durchaus möglich, dass man am Ende des Tages mit der Nutzung eines Robotaxis günstiger fährt, also mit einem eigenen Wagen. Und selbst, wenn die Kosten auf dem gleichen Niveau wären, blieben da die unzähligen Vorteile der ausschließlichen Nutzung von Robotaxis.

Was bleibt, ist zu hoffen, dass deutsche und europäische Hersteller einen Plan B in der Schublade haben, sollten sich obige Annahmen bewahrheiten. Feststehen dürfte indes, dass auch ein Plan B die Arbeitsplätze von vielen 10.000 Mitarbeitenden nicht sichern dürfte, wenn sich die Mobilität der Zukunft derartig verändern wird.

Abschließend sei gesagt, dass das Rennen um die Robotaxis natürlich noch längst nicht gewonnen ist und inzwischen auch einige andere Firmen an Robotaxis tüfteln. Wir sind sehr gespannt, wann auch bei VW, Toyota, KIA und Co. der Groschen fällt und erste Robotaxi-Modelle präsentiert werden.