Während die Elektromobilität weiter wächst, entsteht im Hintergrund ein neuer Industriezweig mit enormem Potenzial: das Recycling von Elektroauto-Batterien. Was lange als zukünftiges Thema galt, entwickelt sich laut aktuellen Prognosen bereits zu einem eigenständigen Milliardenmarkt.
Die Beratung McKinsey erwartet, dass die globalen Umsätze entlang der Batterie-Recyclingkette bis 2040 auf rund 70 Milliarden US-Dollar jährlich steigen könnten. Zum Vergleich: Der Markt lag zuletzt bei etwa 2,5 Milliarden US-Dollar – ein Wachstum, das klar zeigt, wie früh wir uns noch in dieser Entwicklung befinden.
Die Batterie-Welle rollt – nur zeitversetzt
Der eigentliche Wachstumsschub wird ab den 2030er-Jahren erwartet. Dann erreichen viele Elektrofahrzeuge der ersten großen Absatzwelle das Ende ihres Lebenszyklus und liefern große Mengen an Batterien für Zweitnutzung oder Recycling.
Damit verschiebt sich der Fokus der Branche: weg vom reinen Batteriebau hin zur kompletten Lebenszyklusökonomie.
Hersteller positionieren sich früh
Automobilhersteller reagieren bereits und sichern sich Recyclingkapazitäten:
- Kooperationen von BMW, Volkswagen und Renault mit Recyclingunternehmen
- Aufbau industrialisierter Demontageprozesse
- Einsatz von Robotik zur Kostensenkung und Skalierung
Das Ziel ist klar: Materialien zurückgewinnen, Kosten reduzieren und die Versorgungssicherheit erhöhen.
Regulierung als Beschleuniger
Parallel treiben politische Vorgaben den Markt:
- EU-Batterieverordnung: Recyclingquote von 70 % für lithiumbasierte Batterien bis 2030
- Critical Raw Materials Act: mindestens 25 % der Rohstoffe aus EU-Recycling
- China: strengere Rücknahmepflichten und digitale Batteriepässe
Damit wird Recycling nicht nur wirtschaftlich interessant, sondern regulatorisch verpflichtend.
Rohstoffe bleiben der zentrale Hebel
Neben Vorgaben spielt die Rohstoffperspektive eine entscheidende Rolle. Materialien wie Lithium, Nickel oder Kobalt sind teuer, geopolitisch sensibel und zunehmend gefragt. Recycling bietet hier einen direkten Weg zur lokalen Rohstoffquelle.
Die Herausforderung bleibt jedoch die Wirtschaftlichkeit. Erst wenn Recyclingprozesse kosteneffizient skalieren, kann sich eine echte Kreislaufwirtschaft etablieren.
Der nächste Baustein der Elektromobilität
Mit steigenden Fahrzeugzahlen wächst automatisch auch der zukünftige Rücklauf an Batterien. Das Recycling entwickelt sich damit vom „End-of-Life-Thema“ zum integralen Bestandteil der Wertschöpfungskette.
Die Branche baut also nicht nur Autos für die Zukunft – sondern auch bereits deren Rohstoffkreislauf.

