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Elektromotoren 2026: Was steckt wirklich unter dem Blech?

Beim Elektroauto-Kauf schauen die meisten von uns zuerst auf Reichweite, Ladezeit und Preis. Der Motor selbst bleibt dabei oft eine Blackbox. Dabei entscheidet gerade er mit darüber, wie effizient, wie leise und wie unabhängig von einzelnen Rohstoffquellen ein Auto am Ende ist. Wir gehen in die Details – und zeigen, worauf es aus Käufersicht wirklich ankommt.

Anders als bei einem direkten Modellvergleich gibt es hier kein Punktesystem und keinen Sieger – dafür ist das Thema zu grundsätzlich. Stattdessen ordnen wir entlang der Kriterien ein, die uns bei der Beratung am häufigsten begegnen, und sagen ehrlich dazu, wo sich als Käufer noch keine klare Empfehlung ableiten lässt.

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Warum der Wirkungsgrad überhaupt eine Rolle spielt

Ein Verbrennungsmotor kommt meist auf einen Wirkungsgrad von unter 40 Prozent, der Rest geht als Reibung und Wärme verloren. Ein Elektromotor schafft dagegen inzwischen bis zu 95 Prozent – anfangs waren es rund 90 Prozent. Nahezu die gesamte eingesetzte Energie landet also als Antriebsleistung auf der Straße.

Das ist keine akademische Zahl. Weil das Batteriepaket das mit Abstand teuerste und schwerste Bauteil eines Elektroautos ist, sparen Hersteller mit einem effizienteren Motor an genau der Stelle, die euch am Ende in der Anschaffung am meisten kostet. Ein sparsamerer Antrieb bedeutet: gleiche Reichweite bei kleinerem, günstigerem Akku – oder mehr Reichweite bei gleicher Akkugröße.

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Punkt Rohstoffe: China versus Europa

Die besonders leistungsfähige permanenterregte Synchronmaschine (PSM) hat einen Haken: Ihre Dauermagnete brauchen seltene Erden, die zu großen Teilen aus asiatischen Lieferketten stammen. Viele Hersteller wechseln deshalb zur fremderregten Synchronmaschine (EESM), deren Rotor ganz ohne Permanentmagnete auskommt und stattdessen schaltbare Elektromagnete nutzt.

Frühe EESM-Varianten übertrugen den Strom für das Rotor-Magnetfeld über Schleifkontakte – mechanisch anfällig für Verschleiß. Neuere Lösungen, etwa von Zulieferern wie ZF oder Mahle, machen das kontaktlos und induktiv. Das reduziert die Abhängigkeit von Neodym und Dysprosium spürbar und verbessert nebenbei die Effizienz bei Autobahntempo, weil sich das Magnetfeld im Rotor bei hohen Geschwindigkeiten abschwächen oder abschalten lässt.

Für euch als Käufer heißt das: Ein Auto mit EESM-Antrieb macht euch tendenziell unabhängiger von Lieferkettenrisiken – auch wenn sich das selten explizit im Datenblatt findet. Ein gutes Beispiel für die Praxis liefert der BMW iX3. Als Allradmodell wird er von zwei E-Maschinen bewegt, die zusammen 345 kW beziehungsweise 469 PS und 645 Nm Drehmoment leisten: eine stromerregte Synchronmaschine mit hohem Wirkungsgrad hinten, eine Asynchronmaschine vorn. Gegenüber der Vorgängergeneration sinken die Energieverluste um 40 Prozent, das Gewicht um 10 Prozent, die Herstellungskosten um 20 Prozent.

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Fazit Rohstoffe Weniger Abhängigkeit von Asien, mehr Elektronik-Aufwand.

Punkt Bauform: Warum Hairpin-Wicklungen den Motor kleiner machen

Ein zweiter Trend betrifft die Wicklung im Stator. Die klassische, biegsame Runddraht-Wicklung wird zunehmend durch die Hairpin-Technologie ersetzt: rechtwinklige Kupferstäbe, geformt wie Haarnadeln, automatisiert gesteckt und verschweißt. Der Kupferfüllfaktor steigt dadurch von unter 50 auf über 70 Prozent.

Für euch als Nutzer bedeutet das vor allem eines: eine höhere Stromtragfähigkeit und eine bessere Wärmeableitung über das Gehäuse – bei gleicher Leistung reicht also ein kleinerer Motor. Das spart Gewicht und Bauraum, was sich im Idealfall auch im Verbrauch bemerkbar macht, ohne dass ihr davon im Alltag etwas mitbekommt.

Fazit Bauform: Kompakter, effizienter, unauffälliger im Alltag.

Punkt Ladeleistung: Was SiC-Halbleiter und 800 Volt bringen

Ein Elektromotor ist immer nur so gut wie sein Inverter, der den Batteriestrom steuert. Hier setzt sich zunehmend die SiC-Technik durch: Siliziumkarbid-Halbleiter, konkret SiC-MOSFETs, ersetzen klassische Silizium-Schalter. Sie schalten mit bis zu 50 Kilohertz, senken die Wärmeverluste um bis zu 70 Prozent und vergrößern die Reichweite um fünf bis sieben Prozent.

Größere und leistungsstärkere Elektroautos setzen zusätzlich zunehmend auf eine 800-Volt-Architektur. Sie halbiert bei gleicher Leistung die Stromstärke, reduziert den nötigen Kabelquerschnitt, spart Gewicht und senkt die thermische Belastung im Motor – während gleichzeitig Ladeleistungen von teils mehr als 400 kW möglich werden. Wer viel unterwegs ist und Ladezeit sparen will, sollte bei der Fahrzeugwahl also durchaus einen Blick auf die Spannungsarchitektur werfen, auch wenn Hersteller diesen Wert nicht immer prominent bewerben.

Fazit Ladeleistung: 800 Volt und SiC-Elektronik sind ein Pluspunkt, aber kein Muss für jeden Nutzungsfall.

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Punkt Kühlung: Ein unterschätztes Detail

Weniger im Rampenlicht steht die Kühlung des Rotorkerns – zu Unrecht, denn moderne Elektromotoren erreichen Drehzahlen von teils bis zu 20.000 Umdrehungen pro Minute oder mehr. Statt den Stator nur über einen äußeren Wasser-Glykol-Mantel zu kühlen, setzen moderne Antriebe auf Direktölkühlung: Synthetisches Öl wird direkt in die rotierende Welle gepumpt und durch Fliehkräfte gezielt auf die überhitzungsgefährdeten Wickelköpfe und das Rotorpaket gespritzt. Das verhindert eine Entmagnetisierung beziehungsweise einen Leistungsabfall bei dauerhafter Tempofahrt, etwa auf langen Autobahnetappen.

Ob und wie ein Hersteller diese Kühlung im Detail umgesetzt hat, lässt sich von außen kaum beurteilen – das ist an dieser Stelle aktuell eher eine Frage des Vertrauens in die jeweilige Marke als eine, die sich anhand veröffentlichter Daten beantworten lässt.

Fazit Kühlung: Relevant für Dauerbelastung, aber für Käufer schwer zu überprüfen.

Der Sonderfall: Axial-Fluss-Motoren von Mercedes

Einen technisch eigenen Weg geht Mercedes mit den Axial-Fluss-Motoren, die in den elektrischen Hochleistungsmodellen AMG GT Viertürer und AMG SUV verbaut sind und dort gemeinsam mehr als 850 kW leisten. Das Grundprinzip stammt vom britischen Elektromotorbauer YASA, der inzwischen zu Mercedes gehört. Der elektromagnetische Fluss verläuft hier parallel zur Drehachse statt senkrecht dazu, die Bauteile sind als schmale Scheiben gestaltet, die den Stator sandwichartig umschließen.

Im AMG GT Viertürer und AMG SUV ist der Antrieb an der Vorderachse rund neun Zentimeter breit, die beiden Motoren an der Hinterachse messen jeweils nur acht Zentimeter – bei einer Spitzenleistung von bis zu 860 kW beziehungsweise 1.169 PS, in der Spitze sogar bis zu 1.000 kW oder 1.360 PS. Für die allermeisten Käufer ist das eher eine Demonstration dessen, was technisch machbar ist, als eine alltagsrelevante Kaufentscheidung – aber sie zeigt, wohin sich die Technik insgesamt bewegt.

Fazit

Ein pauschales Urteil „PSM ist besser“ oder „EESM ist besser“ lässt sich hier bewusst nicht fällen – beide Konzepte haben ihre Berechtigung, und welches Auto am Ende zu euch passt, hängt stärker von Reichweite, Preis und Platzangebot ab als vom Antriebskonzept allein. Wer aber zwischen zwei ähnlich attraktiven Modellen schwankt, kann mit diesem Hintergrundwissen zumindest einordnen, warum das eine Auto vielleicht schneller lädt, leiser bleibt oder unabhängiger von einzelnen Rohstoffquellen ist als das andere. Am Ende bleibt es eine Abwägung – und die darf für jeden von euch unterschiedlich ausfallen.