Volkswagen bereitet in Deutschland und weiteren europäischen Ländern einen Rückruf mehrerer Elektroautos vor. Hintergrund sind mögliche Produktionsfehler an einzelnen Hochvolt-Batteriezellen. Im ungünstigsten Fall könnten diese überhitzen. Betroffene Fahrzeuge sollen deshalb vorsorglich nur noch bis maximal 80 Prozent geladen werden.
Welche VW-Modelle könnten betroffen sein?
Nach Informationen des Handelsblatts geht es um Fahrzeuge aus bestimmten Produktionszeiträumen zwischen 2023 und 2025. Genannt werden der VW ID.3, ID.4, ID.7 und ID. Buzz. Auch einige Tausend Cupra Born könnten betroffen sein. Skoda-Modelle sollen dagegen nicht zu der betroffenen Gruppe gehören.
Entscheidend ist dabei nicht allein die Modellbezeichnung. Welche Autos tatsächlich in die Werkstatt müssen, hängt unter anderem vom Produktionszeitraum, dem Batterielieferanten und der jeweiligen Zellcharge ab. Wer einen ID.4 fährt, muss also nicht automatisch davon ausgehen, dass sein Fahrzeug betroffen ist.
Mögliche Überhitzung: VW plant Begrenzung auf 80 Prozent
Bei internen Qualitätsprüfungen wurden laut Volkswagen Batteriezellen festgestellt, die wegen möglicher Fertigungsfehler bei Zulieferern nicht den Anforderungen entsprechen. In seltenen Fällen kann daraus eine Überhitzung entstehen; im Extremfall besteht Brandgefahr.
Als erste Sicherheitsmaßnahme soll Volkswagen den maximalen Ladestand betroffener Autos per Over-the-Air-Update auf 80 Prozent begrenzen. Die Halter sollen über die nächsten Schritte informiert werden. Zum Zeitpunkt der Meldung am 16. Oktober 2026 war beim Kraftfahrt-Bundesamt noch keine entsprechende deutsche Rückrufaktion veröffentlicht.
Wichtig ist die Unterscheidung zum bekannten Battery Care Mode: Dessen 80-Prozent-Einstellung dient im normalen Alltag der Batterieschonung. Bei der angekündigten Rückrufmaßnahme geht es dagegen um eine vorsorgliche Begrenzung aus Sicherheitsgründen.
In Großbritannien läuft die Aktion bereits
In Großbritannien werden bereits der ID.3, ID.4, ID.7, ID. Buzz und ID. Buzz Cargo im Zusammenhang mit Hochvoltbatterien eines bestimmten Zulieferers aus den Jahren 2022 bis 2025 genannt. Auch dort ist die vorläufige Begrenzung des Ladestands auf 80 Prozent vorgesehen.
Wie die endgültige technische Lösung aussieht, ist noch nicht geklärt. Werkstätten könnten auffällige Batterien oder einzelne Zellmodule überprüfen und gegebenenfalls ersetzen müssen. Ob ein Fahrzeug betroffen ist, dürfte sich erst nach dem Abgleich der konkreten Fahrzeug- und Batteriedaten zuverlässig feststellen lassen.
US-Rückrufe sind nicht automatisch derselbe Fehler
In den USA gibt es bereits weitere Batterie-Rückrufaktionen für den VW ID.4. Eine neuere Aktion betrifft 22.524 Fahrzeuge der Modelljahre 2023 bis 2026. Auch dort wird bis zu einer endgültigen Lösung eine Begrenzung auf 80 Prozent empfohlen. Zwei frühere US-Aktionen betrafen zusammen 44.551 ID.4, unter anderem wegen falsch ausgerichteter Elektroden in einzelnen Batteriezellen.
Ob die jetzt in Europa untersuchten Zellen technisch mit einem dieser US-Fälle zusammenhängen, ist offen. Die bekannten Fehlerbilder sind nicht identisch. Eine Gleichsetzung der Rückrufe wäre daher verfrüht.
Was sollten ID.-Fahrer jetzt tun?
Für Besitzer der genannten Modelle ist zunächst entscheidend, ob Volkswagen ihr konkretes Fahrzeug als betroffen einstuft. Halter sollten entsprechende Mitteilungen des Herstellers und mögliche Rückrufhinweise beachten. Eine pauschale Aussage, dass sämtliche ID.-Fahrzeuge nur noch bis 80 Prozent geladen werden dürfen, lässt sich aus den bisherigen Informationen nicht ableiten. Für tatsächlich betroffene Fahrzeuge ist die angekündigte Sicherheitsmaßnahme dagegen ernst zu nehmen.
Für Volkswagen ist die Angelegenheit unangenehm: Gerade die Hochvoltbatterie ist das teuerste und sensibelste Bauteil eines Elektroautos. Umso wichtiger wird jetzt eine schnelle und präzise Eingrenzung der betroffenen Zellchargen – damit nicht Hunderttausende Fahrer unnötig verunsichert werden.
Quelle: Handelsblatt

