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Bentley Torcal: Erstes Elektro-SUV kommt mit bis zu 888 PS

Bentley beginnt mit dem Torcal ein neues Kapitel seiner Markengeschichte. Das rund fünf Meter lange Luxus-SUV ist das erste ausschließlich elektrisch angetriebene Serienmodell des britischen Herstellers. Trotz des grundlegenden Technologiewechsels soll der Neuzugang unverkennbar ein Bentley bleiben.

Das betont auch Bentley-Chef Frank-Steffen Walliser, der den Torcal in erster Linie als Bentley und erst danach als Elektroauto verstanden wissen will. Die Konstrukteure und Designer standen damit vor der Aufgabe, typische Markenwerte wie Leistung, Komfort und handwerklichen Luxus auf ein Fahrzeug ohne Zwölf-, Acht- oder Sechszylindermotor zu übertragen.

Die Karosserie zeigt sich deutlich gestreckter und flacher als bei vielen anderen Oberklasse-SUV. Verantwortlich dafür sind der lange Radstand, vergleichsweise kurze Überhänge und eine hoch angesetzte Linie, die von der Motorhaube bis in die Seitenpartie hineinläuft. So entsteht trotz des großen Fahrzeugformats eine dynamische Silhouette.

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Fünf Meter lang und dennoch kürzer als der Bentayga

Mit einer Gesamtlänge von ungefähr fünf Metern bleibt der Torcal rund zwölf Zentimeter unter dem normalen Bentley Bentayga. Gleichzeitig übertrifft sein Radstand den des bekannten Luxus-SUV um etwa drei Zentimeter. Durch die platzsparende Elektroarchitektur sollen die Passagiere entsprechend großzügige Platzverhältnisse erhalten.

Bentley beschreibt die neue Formensprache als „aufrechte Eleganz“. Anstelle zahlreicher Sicken, Lichtkanten und dekorativer Elemente dominieren klar gezeichnete Flächen. Die Front wird von einem beleuchteten Diamond-Grill geprägt. In dessen Innerem befinden sich dreidimensionale Elemente, die bei Dunkelheit wie schwebende Kristalle wirken sollen.

Zurückhaltender präsentiert sich die Heckpartie. Schmale, horizontal ausgerichtete Rückleuchten reichen in die kräftig ausgeformten hinteren Kotflügel hinein. Dazwischen sitzt eine große, nahezu senkrechte Heckklappe mit einer relativ kleinen Scheibe.

Gleichzeitig führt Bentley mit dem Torcal eine überarbeitete Variante seines Markenemblems ein. Das geflügelte Logo besitzt nun schärfere Konturen, kantigere Flügel und eine insgesamt reduzierte Gestaltung.

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Eigenständiger Innenraum trotz Porsche-Technik

Die technische Verwandtschaft zum Porsche Cayenne Electric ist im Innenraum kaum zu erkennen. Bentley verwendet zwar Konzerntechnologie, kleidet sie jedoch in eine eigenständige Bedien- und Materialwelt.

Im Mittelpunkt des Cockpits steht ein gebogenes OLED-Display. Ergänzt wird es durch ein Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktionen. Das System kann Navigations- und Fahrinformationen optisch in das Sichtfeld des Fahrers einblenden. Eine Gesichtserkennung soll verschiedene Nutzer identifizieren und die jeweiligen Einstellungen automatisch aktivieren. Außerdem kann ein kompatibles Smartphone als digitaler Fahrzeugschlüssel dienen.

Trotz der umfangreichen Digitalisierung hält Bentley an physischen Bedienelementen fest. Häufig verwendete Funktionen sollen weiterhin über echte Tasten und Schalter erreichbar sein. Im Fond erhält erstmals ein Bentley eine elektrisch umklappbare Dreiersitzbank.

Galerie: Innenraum des Bentley Torcal
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Merinowolle und Dekore aus Walnussresten

Bei der Materialauswahl setzt Bentley auf den Abstand zum technisch verwandten Cayenne Electric. Oberflächen, Verarbeitung und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten sollen den deutlich höheren Anspruch und Preis des Torcal rechtfertigen.

Für die Sitzbezüge steht unter anderem Merinowolle zur Wahl. Darüber hinaus bietet Bentley neuartige Dekorelemente an, die aus bis zu 1.000 Lagen nachhaltig beschaffter Walnussreste und recyceltem Papier hergestellt werden. Die einzelnen Schichten ergeben eine ungewöhnliche Struktur und sollen klassische Holzverarbeitung mit einem effizienteren Materialeinsatz verbinden.

Gerade der Innenraum übernimmt damit eine zentrale Rolle bei der Abgrenzung zum Porsche. Während Plattform, Batterie und wesentliche Teile der Antriebstechnik aus demselben Konzernbaukasten stammen, soll der Torcal durch hochwertigere Materialien, eine aufwendigere Verarbeitung und markentypische Details ein eigenständiges Luxusgefühl vermitteln.

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Ein elektrischer Bentley mit komponierter Klangwelt

Der fehlende Verbrennungsmotor stellt Bentley auch akustisch vor neue Herausforderungen. Statt ein V8-Triebwerk künstlich nachzuahmen, entwickelte die Marke mit der „Bentley Dynamic Symphony“ eine eigene Klangkulisse.

Dafür wurden unter anderem Schlagzeug, Bratsche und Bassgitarre aufgenommen. Kleine Unregelmäßigkeiten der Instrumente blieben bewusst erhalten, damit der Sound nicht vollständig synthetisch wirkt. Das Klangbild verändert sich abhängig von Geschwindigkeit und angeforderter Motorleistung. Im Sport-Modus tritt es deutlicher in den Vordergrund, kann vom Fahrer auf Wunsch aber vollständig deaktiviert werden.

Auch Blinker-, Hinweis- und Bediengeräusche basieren auf echten Aufnahmen. Als rhythmische Referenz verwendeten die Entwickler den traditionsreichen 6,75-Liter-V8 von Bentley. Die Geräuschkulisse soll damit nicht nur für Unterhaltung sorgen, sondern dem Fahrer auch eine zusätzliche Rückmeldung zum aktuellen Fahrzustand geben.

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Fahrmodi verändern auch Licht und Klimatisierung

Der Torcal besitzt die vier Fahrprogramme Bentley, Comfort, Sport und Refresh. Diese beeinflussen nicht nur die Leistungsabgabe, Lenkung und Fahrwerksabstimmung. Auch Innenraumbeleuchtung, Klangkulisse, Luftstrom, Klimatisierung und die Darstellung der Displays werden angepasst.

Im Comfort-Modus reduziert das Fahrzeug beispielsweise die angezeigten Informationen auf das Wesentliche. Refresh intensiviert dagegen Frischluftzufuhr und Innenraumhelligkeit, um die Insassen auf längeren Fahrten zu aktivieren.

Weitere Komfortfunktionen sind elektrisch betätigte Türen und ein trainierbarer Parkassistent. Hinzu kommen insgesamt 25 Radar-, Kamera- und Sensorsysteme. Für besonders enge Straßen kann sich das Fahrzeug zudem den zuletzt gefahrenen Weg merken und diesen automatisiert rückwärts zurücklegen.

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Torcal S beschleunigt in 2,9 Sekunden auf 100 km/h

Zum Marktstart sind zwei Leistungsstufen vorgesehen. Bereits das Basismodell kommt mit 604 kW beziehungsweise 821 PS und einem maximalen Drehmoment von 1.194 Nm. Damit beschleunigt das rund 2,7 Tonnen schwere Elektro-SUV innerhalb von 3,4 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 250 km/h.

Noch mehr Leistung stellt der Torcal S bereit. Seine beiden Elektromotoren entwickeln zusammen 653 kW beziehungsweise 888 PS und mobilisieren bis zu 1.350 Nm. Mit aktivierter Launch Control vergehen lediglich 2,9 Sekunden bis Tempo 100. Erst bei 260 km/h endet der Vortrieb.

Trotz dieser Werte verzichtet Bentley bewusst auf eine noch extremere Beschleunigungsabstimmung. Nach Einschätzung des Herstellers empfinden viele Kunden eine aggressivere Leistungsentfaltung nicht als zusätzlichen Genuss, sondern eher als unangenehm. Der Torcal soll deshalb enorme Reserven bieten, seine Insassen im Alltag aber nicht mit unnötiger Härte überfordern.

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PPE-Plattform und zwei Synchronmotoren

Die technische Grundlage liefert die Premium Platform Electric, kurz PPE, auf der ebenfalls der Porsche Cayenne Electric basiert. An Vorder- und Hinterachse arbeitet jeweils eine permanenterregte Synchronmaschine.

Hinten verwendet Bentley ein Sperrdifferenzial mit jeweils einer Lamellenkupplung an den beiden Abtriebswellen. Dadurch lässt sich das Antriebsmoment variabel zwischen den Hinterrädern verteilen. An der Vorderachse kommt hingegen ein offenes Differenzial zum Einsatz.

Die Hochvoltbatterie arbeitet mit einer Spannung von 800 Volt und besteht aus 192 Pouch-Zellen. Bentley gibt die nutzbare Kapazität mit 113 kWh an. Interessant ist dabei die unterschiedliche Darstellung innerhalb des Konzerns: Beim Porsche Cayenne Electric wird derselbe Wert als Bruttokapazität ausgewiesen.

Nach WLTP-Messung soll der Torcal mit einer Akkuladung bis zu 600 Kilometer zurücklegen können.

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400 kW Ladeleistung und 16 Minuten Ladepause

An einer entsprechend leistungsfähigen Gleichstromsäule kann das Elektro-SUV mit bis zu 400 kW laden. Unter idealen Bedingungen steigt der Ladestand dadurch innerhalb von 16 Minuten von zehn auf 80 Prozent.

Für eine kürzere Zwischenladung nennt Bentley ebenfalls einen konkreten Wert: Innerhalb von sieben Minuten sollen sich rund 161 Kilometer zusätzliche Reichweite in die Batterie übertragen lassen. Damit gehört der Torcal bei der maximalen Ladeleistung zu den schnellsten Elektroautos auf dem Markt.

Aktives Fahrwerk ohne klassische Stabilisatoren

Auch beim Fahrwerk bedient sich Bentley aus dem Konzernbaukasten, übernimmt die Technik jedoch nicht unverändert. Das Grundprinzip entspricht dem Porsche Active Ride des Cayenne Electric, wurde für den britischen Luxus-Stromer aber umfassend neu abgestimmt.

Der Torcal kombiniert Luftfedern mit Zweiventildämpfern. Zug- und Druckstufe lassen sich getrennt regeln. Konventionelle Querstabilisatoren sind nicht erforderlich, da die aktiven Dämpfer deren Aufgabe übernehmen. Pro Achse arbeitet dafür eine eigene Motor-Pumpen-Einheit.

Bentley vergrößerte gegenüber der Porsche-Ausführung den Strömungsquerschnitt innerhalb der Dämpfer. Dadurch soll eine breitere Spreizung zwischen den unterschiedlichen Fahrprogrammen möglich werden: komfortabel und gelassen auf langen Strecken, gleichzeitig deutlich straffer bei sportlicher Fahrweise.

Serienmäßig ist außerdem eine Allradlenkung an Bord. Die Hinterräder können um bis zu fünf Grad einschlagen und reduzieren den Wendekreis des großen SUV auf nur 11,1 Meter.

Als Sonderausstattung stehen Carbon-Keramik-Bremsen zur Verfügung. Die Bremsscheiben messen an der Vorderachse 440 Millimeter und hinten 410 Millimeter.

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Marktstart 2027 – Preis vermutlich um 200.000 Euro

Bentley hat den offiziellen Verkaufspreis des Torcal noch nicht bekannt gegeben. Da das elektrische SUV innerhalb des Modellprogramms unterhalb des Bentayga positioniert werden soll, erscheint ein Einstiegspreis im Bereich von etwa 200.000 Euro realistisch.

Optionen wie die Carbon-Bremsanlage, exklusive Innenraummaterialien und die umfangreichen Individualisierungsmöglichkeiten dürften den Endpreis allerdings schnell deutlich erhöhen. Die Markteinführung des ersten vollelektrischen Bentley ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen.