Ein elektrischer VW Corrado? Was zunächst nach einem ziemlich gewagten Gedanken klingt, könnte genau das Auto sein, das Volkswagen derzeit fehlt. Ein flaches Coupé, Heckantrieb, ordentlich Leistung und obendrauf eine R-Version mit zwei Motoren und Allradantrieb. Technisch könnte ein neuer VW ID. Corrado auf dem MEB aufbauen und sich bei den Antrieben des kommenden ID. Neo bedienen.
Der Corrado gehörte schließlich nie zu den vernünftigen Volkswagen. Er war flacher, schneller und spezieller als Golf und Passat – und genau deshalb ist er heute noch interessant. Eine Neuauflage müsste diesen Gedanken nicht einfach kopieren, sondern in die elektrische Modellwelt von VW übertragen.
VW ID. Corrado: Coupé statt SUV
Volkswagens elektrische ID.-Familie deckt inzwischen viele klassische Fahrzeugklassen ab. Was ihr aber weitgehend fehlt, ist ein Auto, das man nicht deshalb kauft, weil es besonders praktisch ist.
Hier könnte der ID. Corrado ins Spiel kommen. Ein zweitüriges Coupé mit knapp geschnittener Dachlinie, breiten hinteren Radhäusern und einer großen Heckklappe würde sich deutlich von den übrigen ID.-Modellen absetzen.
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Optisch dürfte sich eine Neuauflage durchaus am alten Corrado orientieren, ohne allerdings zum Retroauto zu verkommen. Eine flache Front, eine relativ gerade Gürtellinie, ein kräftiges Heck und ein angedeuteter beziehungsweise aktiver Heckspoiler würden reichen, um die Verbindung zum Original herzustellen.
Gerade die schlichte Grundform wäre interessant. Statt eines mit Spoilern und Luftöffnungen überladenen Sportwagens könnte der ID. Corrado wieder das sein, was schon das Original auszeichnete: ein vergleichsweise unauffälliges Coupé, bei dem erst der zweite Blick verrät, dass hier etwas Besonderes steht.
MEB als technische Basis
Eine komplett eigene Plattform für ein solches Nischenmodell wäre wirtschaftlich kaum sinnvoll. Der MEB beziehungsweise dessen aktuelle Weiterentwicklung würde dagegen vieles mitbringen, was Volkswagen für einen ID. Corrado benötigt.
Die technische Nähe zum VW ID. Neo wäre dabei besonders interessant. Dessen Antriebsfamilie könnte praktisch in das Coupé übernommen werden. Schon die normalen Varianten des Corrado könnten mit einem Elektromotor an der Hinterachse antreten.
Das würde hervorragend zum Charakter des Autos passen. Statt des früher üblichen Frontantriebs hätte ein moderner Corrado damit Heckantrieb.
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Eine Leistung irgendwo im Bereich von rund 200 bis 300 PS wäre für die normalen Modelle mehr als ausreichend. Entscheidend wäre weniger der reine Sprintwert als ein niedriges Fahrzeuggewicht, eine direkte Lenkung und ein Fahrwerk, das nicht ausschließlich auf Komfort abgestimmt ist.
VW ID. Corrado R mit 350 PS und Allrad
Richtig interessant würde es am oberen Ende der Baureihe. Für einen ID. Corrado R könnte Volkswagen einen zweiten Elektromotor an der Vorderachse ergänzen.
Damit wären Allradantrieb und eine Systemleistung von bis zu etwa 350 PS denkbar. Das würde aus dem Corrado noch keinen elektrischen Supersportwagen machen – und genau das müsste er auch nicht sein.
Mit rund 350 PS dürfte ein entsprechend abgestimmter ID. Corrado R in deutlich unter fünf Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Viel wichtiger wäre allerdings, dass Volkswagen dem R-Modell eine eigene Fahrwerksabstimmung, kräftigere Bremsen und eine deutlich aggressivere Momentenverteilung spendiert.
Der Heckmotor könnte dabei weiterhin den größten Teil der Arbeit übernehmen. Die Vorderachse würde sich bei Bedarf zuschalten. So ließe sich trotz Allradantrieb ein heckbetonter Charakter erhalten.
Und genau das könnte den Unterschied zu einem weiteren sehr schnellen Elektroauto aus dem Konzernbaukasten ausmachen.
Nicht zu groß, nicht zu schwer
Eine der größten Herausforderungen wäre das Gewicht. Der ursprüngliche Corrado war ein relativ kompaktes Auto. Ein elektrischer Nachfolger sollte deshalb nicht plötzlich zu einem fast zwei Tonnen schweren Gran Turismo mit fünf Metern Länge mutieren.
Rund 4,30 bis 4,40 Meter Länge würden völlig ausreichen. Damit wäre der ID. Corrado kompakt genug für enge Landstraßen, böte durch den langen Radstand einer Elektroplattform aber trotzdem erstaunlich viel Platz.
Auch beim Akku könnte VW aufs Portfolio des ID. 3 Neo zurückgreifen. Damit gäb’s dann im ID. Corrado 50-79 kWh große Energiespeicher und Reichweiten von bis zu 630 Km. Und das reicht doch vollkommen.
Innenraum: sportlich statt Bildschirm-Landschaft
Auch innen müsste Volkswagen dem Corrado einen eigenen Charakter geben. Ein großes Display allein passt einfach nicht zu einem emotionalen Sportcoupé.
Tief montierte Sportsitze, ein kleines Lenkrad, eine zum Fahrer orientierte Mittelkonsole und echte Bedienelemente für die wichtigsten Funktionen würden wesentlich besser zum Auto passen. Dazu könnten rote Akzente und eine R-Version mit stärker ausgeformten Sportsitzen kommen.
Dabei müsste ein ID. Corrado keineswegs unpraktisch sein. Schon der alte Corrado kombinierte seine Coupéform mit einer großen Heckklappe. Ein elektrischer Nachfolger könnte dieses Prinzip übernehmen und damit sogar als überraschend brauchbarer Reisewagen funktionieren.
Der Corrado könnte der ID.-Familie genau das geben, was ihr fehlt
Natürlich ist ein VW ID. Corrado derzeit vor allem ein Gedankenspiel. Doch gerade deshalb zeigt das Konzept ziemlich gut, welche Möglichkeiten die elektrische Plattform von Volkswagen bietet.
Nicht jedes Elektroauto muss SUV, Crossover oder möglichst vernünftiger Familienwagen sein.
Ein ID. Corrado könnte vorhandene Plattform-, Batterie- und Antriebstechnik verwenden und daraus etwas völlig anderes machen: ein kompaktes elektrisches Coupé mit Heckantrieb, klarer Designsprache und einem ID. Corrado R mit rund 350 PS und Allradantrieb.
VW würde mit dem ID. Corrado wohl keine Stückzahlen wie vom ID. 3 Neo schaffen, aber manchmal braucht eine Modellpalette eben einfach ein Auto, das nicht mit dem Taschenrechner gekauft wird. Der alte Corrado war genau so eines. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass Volkswagen wieder eines baut.
Galerie VW ID. Corrado
Quelle: Sezer Design






