XPENG L03: Chinas nächster Preis-Hammer

Mit dem neuen XPENG L03 bringt XPENG sein bisher günstigstes Modell nach Deutschland – und zwar nicht als kleine Sparbüchse mit Lenkrad, sondern als ziemlich vollgestopftes Elektro-SUV-Coupé mit viel Reichweite, schneller Ladeleistung, fettem Software-Paket und einem Preis, bei dem sich so mancher europäische Hersteller nervös umgucken muss. Leider konnten wir aus gesundheitlichen Gründen der Einladung von XPENG nicht nachkommen, dennoch wollen wir euch mit allen wichtigen Infos versorgen, denn es gibt allen Grund dazu!

Einordnung: kleiner als der G6, aber ziemlich groß

Der L03 ist 4,65 Meter lang, damit 10cm kürzer als der große Bruder G6, hat 2,85 Meter Radstand und ist damit ziemlich exakt dort unterwegs, wo in Deutschland die Musik spielt: kompakte bis mittelgroße Elektro-SUVs. XPENG nennt das Ganze SUV-Coupé mit Fastback-Heck – also ein bisschen SUV, ein bisschen Coupé, ein bisschen Limousine.

Design: Fastback-SUV statt Coupé?

Optisch setzt der L03 ziemlich klar die Designsprache von XPENG fort. Die Front trägt bumerang-hammer-förmige LED-Scheinwerfer, die ein wenig an Volvo und Polestar erinnern. Wir wären hier von einer Lichtleiste wie im G6, G9 und den weiteren Modellen ausgegangen, aber das hätte die runde, fließende Formsprache doch etwas geschnitten. Das sehr prägnante und schön gezeichnete Heck hat dafür ein durchgehendes LED-Leuchtenband, das unter dem fließend aus der Form ragenden Spoiler sitzt. Dazu serviert XPENG ausgestellte Radkästen, lackierte Radläufe, erhöhte Bodenfreiheit und eine fließende Dachlinie. In Summe ist der SUV-Auftritt flacher und sportlicher als vergleichbare Fahrzeuge in dem Preissegment.

Gallerie: XPENG L03 Details
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Serienmäßig rollt der L03 auf aerodynamischen 18-Zoll-Felgen, die uns nicht wirklich abholen. In den großen Radkästen wirken sie schon sehr verloren. Die Ultra-Version bekommt dafür 20-Zöller, die deutlich harmonischer in das Gesamtbild passen – und sportlich gelbe Bremssättel. Die Farben sind Arctic White, Midnight Black, Rock Gray, Silver Frost und – sehr sehr schick – Phantom Purple. Mut zur Farbe hat XPENG also noch. Sehr cool ist auch die bereits beliebte Black Edition. Hier ist alles, wirklich alles, komplett schwarz.

Gallerie: XPENG L03 Design
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Innenraum: weich, hell, üppig – clean

Der Innenraum ist einer der Punkte, bei denen der L03 richtig interessant wird: helle oder dunkelgraue Farbwelten, Soft-Touch-Oberflächen wohin die Hände wandern, ein wunderbarer Velours-Dachhimmel, Ambientebeleuchtung und Panoramadach. Das klingt nicht nach Einstiegsmodell, wenn man dies bei eigentlich allen europäischen Marken gewöhnlich gegen saftige Aufpreis bekommt – wenn überhaupt!

Das Lenkrad ist oben und unten stark abgeflacht und bietet die einzigen Knöpfe im Innenraum. Es wirkt elegant und gleichzeitig sportlich und verfügt über Walzen anstatt Touch-Slider.

Der Rest vom L03 ist – bis auf Tür- & Fensteröffner – knopflos. Das wirkt sehr modern und aufgeräumt. Jedoch sind somit die Klimasteuerung und besonders die Regelung der Luftauslässe ein Thema. Im G6 wurde aufgrund Feedback der Kunden im Facelift Modell wieder eine physische Steuerung hinzugefügt.

Besonders stark geht’s weiter: Die Vordersitze sind serienmäßig elektrisch einstellbar, können in eine Liegeposition fahren, sind mit Ziernähten versehen, perforiert, beheizbar und belüftet – und richtig weich. Das ist Oberklasse Feeling vom Feinsten.

Im Innenraum wirds modular, denn im L03 gibt es mehrere Haltepunkte, teils als Mounting Points für Action-Cams, Handyhalterungen oder anderes Zubehör und teils als versteckte Magnetflächen für magnetisches Zubehör. An den Rückenlehnen der Vordersitze sitzen zusätzliche Aufnahmen für Tablets, kleine Tische oder was auch immer man auf Reisen an die zweite Reihe tackern möchte. Das ist clever, alltagstauglich und deutlich spannender, wenn man an die 3D-Drucker Community denkt.

Gallerie: XPENG L03 Innenraum
XPENG L03 Ambientebeleuchtung
XPENG L03 Ambientebeleuchutng Cockpit
XPENG L03 Mikrolufteinlässe
XPENG L03 Lautsprecher Fahrersitz
XPENG L03 Vordersitze

Bei den Displays klotzt XPENG ebenfalls: 8,9 Zoll digitales Cockpit Display, ein zentraler 2,5K HD-15,6-Zoll-Touchscreen und ein riesen 26,8-Zoll-Head-up-Display. Dazu kommen Zweizonen-Klima, smarte Navigation, Wärmepumpe, elektrische Heckklappe, Panoramadach, Ambientebeleuchtung und ein Soundsystem mit neun Lautsprechern plus zwei jeweils in den Vordersitzen.

An dieser Stelle ein kleiner Reminder – wir sind hier immer noch bei der Serienausstattung!

Der Kofferraum ist mit 367 Litern überraschend okay als riesig, dazu kommt ein Frunk mit bis zu 89 Litern. Ob man hier mehr aus dem Auto hätte holen können, oder ob das der Kompromiss für den china-typischen sehr guten und hochwertigen Sitzkomfort in der zweiten Reihe liegt, bleibt offen. Und wenn wir schon bei der zweiten Sitzreihe sind: darunter befindet sich eine 10 Liter Schublade – simply clever, oder?

Software: Google Maps – XPENG macht den Schritt

Ein großer Fortschritt ist die Navigationssoftware. XPENG setzt nun endlich mit der neusten Softwareversion auf Google Maps als Basis, was für die Marke ein echter Befreiungsschlag ist. Nicht falsch verstehen, XPENG liefert hier den größten Anbieter-Filter der Branche, aber manchmal war die Navigation überfordert und führte ungenau. Mit Google Maps wirkt die Integration auf den ersten Studio-Blick deutlich reifer und performanter.

Auch bei der restlichen Software hat sich einiges getan. Die Menüführung und das Layout sind nun mehr am Bedienkonzept von Tesla orientiert – hier wird nicht kopiert, sondern ein Konzept effektiv integriert. Die Systemperformance ist sehr schnell, eine Verzögerung ist praktisch nicht vorhanden.

XPENG L03 Touchscreen Google

KI und Assistenz: Das wird Groß

Beim Assistenzthema wird der L03 richtig spannend. Schon serienmäßig bringt er mehr als 13 Assistenzsysteme unter dem XPILOT-Dach mit. Einige davon sind: Parkassistent inkl. Remotefunktion, Bluetooth-Key, Notbremsassistent, Totwinkelwarner, Spurwechselassistent, Querverkehrswarner, Türöffnenwarner und eine adaptive 360-Grad kamerabasierte Geschwindigkeitsregelung, die vorausschauend auf Tempolimits und Ampeln reagieren und das Auto mittig in der Spur halten soll.

Die volle Show gibt es im L03 AWD Performance Ultra. Dort arbeitet XPENGs eigener Turing AI Chip mit bis zu 750 TOPS Rechenleistung…was nach einer großen Leistung klingt. Zusammen mit dem Vision-Language-Action-System VLA 2.0 bildet er die Grundlage für den Next Generation Pilot auf Level-2+-Niveau. Natürlich gilt auch hier: Europa, Regulierung, Freigaben – das übliche Bürokratie-Ballett mit Sicherheitsweste. Aber die Hardware-Basis ist beeindruckend und zeigt, wohin XPENG will: ein Auto bauen, das permanent mitdenkt und bald übernehmen soll.

Antrieb, Laden und Varianten: 400 statt 800 Volt

Technisch fährt der L03 in allen Varianten maximal mit 180 km/h mit zwei LFP-Batterien vor: 58,3 kWh im Standard Range und 71,2 kWh in Long Range und Performance. Die Basis schafft bis zu 445 Kilometer WLTP, der Long Range bis zu 520 Kilometer, die Allradmodelle bis zu 440 Kilometer. Geladen wird trotz 400-Volt-Architektur mit bis zu 236 kW, von 20 auf 80 Prozent soll es in ca. 20 Minuten gehen. Leider spart XPENG und 12 Minuten 800-Volt-Ladepower bleibt den größeren überlassen. Ziehen können alle 1.500 kg.

Für ein Auto ab 35.600 Euro ist das Paket soweit ziemlich ordentlich, daher hier die Übersicht des Lineups:

Modell Leistung Batterie Laden Reichweite Laderaum Preis
RWD Standard Range 180 kW
245 PS
58,3 kWh 193 kW 445 km 367 l
89 l Frunk
35.600 €
RWD Long Range 180 kW
245 PS
71,2 kWh 236 kW 520 km 367 l
89 l Frunk
38.600 €
AWD Performance 285 kW
388 PS
71,2 kWh 236 kW 440 km 367 l
44 l Frunk
41.600 €
AWD Performance Ultra 285 kW
388 PS
71,2 kWh 236 kW 440 km 367 l
44 l Frunk
46.600 €

Preiskampf: L03 wildert gegen Enyaq Coupé und Model Y

Der spannendste Vergleichskandidat ist wohl der XPENG L03 RWD Long Range für 38.600 Euro. Der ähnliche Skoda Elroq 85 liegt laut aktueller Preisübersicht im Einstieg bei 39.990 Euro und kommt mit 560 Kilometern WLTP‑Reichweite sehr nah an den L03 Long Range heran, hat aber einen größeren Kofferraum mit 470 Litern. Preislich liegen zwischen beiden Autos 1.390 Euro, wobei der Elroq mit Standard‑Interieur, ohne weitere Pakete und 135 kW Ladeleistung ankommt. Mit hochwertigerem Lounge‑Interieur, Advanced‑, Clever‑ & Winterpaket landet man schnell bei rund 46.000 Euro. Für rund 7.000 Euro Aufpreis bekommt man also 100 Liter mehr Kofferraum und ein klassisches SUV‑Design – aber keine höhere Ladeleistung und kein Frunk. Der L03 bleibt damit das klar preisattraktivere Angebot.

Wir haben den Vergleich auch mit dem Enyaq Coupé 85 gerechnet, bei dem sind es 20.000 Euro Preisunterschied und 200 Liter mehr Kofferraum. Skoda hat hohe Quadratmeter-Preise!

Beim Tesla Model Y wird es ebenfalls interessant. Das Model Y Standard RWD startet aktuell um 38.990 Euro und ist damit der amtierende Low-Budget-Killer: viel Platz, starke Software, Supercharger-Vorteil und ein riesiger Kofferraum. Mit 534 Kilometer und brutalen 854 Liter Kofferraum plus Frunk räumt er alle Konkurrenten für den Preis vom Feld. Hier liegt der XPENG L03 preislich gleich auf, kontert aber mit sehr starkem Serienkomfort, wohingegen das Model Y schon stark in den Innenraum-Materialien reduziert worden ist.

Europa muss aufwachen, denn der China-Zug hat keine Bremsen

Der XPENG L03 ist kein perfektes Auto. Der Kofferraum ist im Vergleich zu Elroq, Enyaq und Model Y eher klein (selbst ID.3 und der neue ID.Polo bieten hier mehr), die Europa-Freigaben der Assistenzsysteme muss man abwarten, und viele deutsche Käufer haben bei chinesischen Marken immer noch Stirnfalten, als hätte jemand „Softwareupdate“ im Autohaus gesagt. Aber rein nüchtern betrachtet gibt es aktuell wenig Grund für pauschales Misstrauen. XPENG baut moderne, schnelle und extrem gut ausgestattete Elektroautos – und der L03 zeigt das besonders deutlich.

Für VW, Skoda und die anderen europäischen Hersteller wird ist es langsam ernst. Tesla liefert mit dem Model Y Standard bereits einen ziemlich brutalen Preis-Leistungs-Schlag in die Mittelklasse, XPENG bietet mit dem G6 schon heute viel Auto fürs Geld und jetzt kommt mit dem L03 der nächste Kracher. Dass VW längst mit 3,2 Milliarden bei XPENG investiert ist und chinesische Elektro-VWs aus dem XPENG Werk kommen, ist bereits das Signal: Wenn man die Welle aus China nicht aufhalten kann, muss man sie reiten.