Mit dem Ioniq 3 bringt Hyundai ein kompaktes Elektroauto auf den Markt, das vor allem mit einem niedrigen Einstiegspreis und einem vernünftigen Gesamtpaket überzeugen soll. Der erste Test im dichten Straßenverkehr von Istanbul zeigt ein überraschend ausgereiftes, komfortables und geräumiges Fahrzeug, allerdings mit einer auffälligen Schwäche beim Antritt.

Wer auf ein Elektroauto wartet, das ohne große Show auskommt und dafür im Alltag funktioniert, findet im Ioniq 3 einen ernstzunehmenden Kandidaten.
Design: Pragmatisch statt spektakulär
Anders als seine größeren Geschwister verzichtet der Ioniq 3 bewusst auf auffällige Design-Elemente. Das Konzept verbindet eine flache, gestreckte Silhouette mit aerodynamischem Feinschliff und orientiert sich am „Aero-Hatch“-Format, einer Mischung aus kompakter Schrägheckform und Elektro-Architektur.

Auffällig ist, wie stark sich das Styling zwischen den Ausstattungslinien unterscheidet: Die sportlichen N Line-Varianten mit schwarzen Anbauteilen, großen Felgen und ausgeprägtem Spoilerwerk, besonders in Rot, wirken deutlich dynamischer. Am Heck erinnert die Form manche Betrachter an den Alfa Romeo SZ. Select, Trend und Prime treten dagegen zurückhaltender auf.
Innenraum: Mehr Platz, als die Außenmaße vermuten lassen
Der Ioniq 3 wirkt deutlich geräumiger, als es die kompakten Abmessungen erwarten lassen. Die steile Frontscheibe, die horizontale Instrumententafel und der flache Fahrzeugboden sorgen vorn für ein großzügiges Raumgefühl mit viel Kopffreiheit. Auch im Fond lässt es sich überraschend bequem reisen.

Insgesamt stehen 441 Liter Ladevolumen zur Verfügung. Davon entfallen 322 Liter auf den regulären Gepäckraum und 119 Liter auf einen zusätzlichen Stauraum unter dem Ladeboden. Dort finden neben Ladekabeln, Warndreieck und Erste-Hilfe-Set sogar weitere Gepäckstücke Platz.
Infotainment: Pleos Connect feiert Premiere
Im Cockpit kommt erstmals das neue Infotainmentsystem Pleos Connect auf Android-Automotive-Basis zum Einsatz. Die Grafik auf dem je nach Ausstattung 12,9 oder 14,6 Zoll großen zentralen Touchscreen wirkt gestochen scharf, die Reaktionszeiten sind flüssig und die Menüführung logisch aufgebaut.

Für die Klimatisierung setzt Hyundai weiterhin auf physische Tasten. Weniger überzeugend ist die Ausstattungspolitik beim Fahrerdisplay: Das kleine Display hinter dem Lenkrad bleibt höheren Ausstattungslinien vorbehalten. Bei den Basismodellen müssen fahrrelevante Informationen über den zentralen Monitor abgerufen werden.
Fahrwerk: Komfortabel abgestimmt mit Reserven
Im Alltag überzeugt der Ioniq 3 mit einem ausgesprochen komfortablen Fahrwerk. Schlechte Fugen, tiefe Kanaldeckel und unebenes Kopfsteinpflaster, wie sie im Testgebiet Istanbul reichlich vorkommen, werden gelassen weggefiltert. Das Auto federt verbindlich statt hölzern und bleibt zusammen mit leisen Abrollgeräuschen angenehm ruhig.
Außerhalb der Stadt zeigte das Fahrwerk auch bei höherem Tempo ein überzeugendes Bild mit sauberem Einlenkverhalten und gutem Grip. Dazu trägt bei der getesteten N Line Evo auch die großzügige 225/45er-Bereifung bei.

Antrieb: Beim Antritt fehlt die Elektro-Spritzigkeit
Das Topmodell verfügt über eine 61-kWh-Batterie und einen Elektromotor mit 135 PS bei maximal 250 Nm. Die Einstiegsvariante mit 42,2-kWh-Batterie erreicht bei identischem Drehmoment sogar 147 PS. Von null auf 100 km/h geht es je nach Variante in 9,0 bis 9,6 Sekunden.
In der Fahrpraxis auf den hügeligen Straßen Istanbuls zeigt der Antriebsstrang jedoch Schwächen. Der Antritt wirkt in vielen Situationen uninspiriert. Bei steileren Anstiegen oder einem zügigen Zwischenspurt auf der Autobahn fällt der Ioniq 3 merklich zurück. Wer die typische spontane Elektro-Spritzigkeit erwartet, dürfte hier enttäuscht sein.
14,8 kWh/100 km im Stadtverkehr
Bei der Effizienz zeigt sich der Ioniq 3 dagegen von seiner besten Seite. Die 400-Volt-Architektur der E-GMP-Plattform wirkt auf dem Datenblatt weniger spektakulär als die 800-Volt-Technik der größeren Modelle, erweist sich im Alltag aber als praxistauglich.
Im Stop-and-Go-Verkehr Istanbuls zeigte der Bordcomputer am Ende der Testfahrt nur 14,8 kWh/100 km. Damit sind selbst mit dem kleineren Akku rechnerisch deutlich mehr als 275 Kilometer möglich. Die große Batterie lädt an einer Schnellladesäule in rund 30 Minuten von zehn auf 80 Prozent. Ein echtes Argument im Alltag ist zudem die optionale AC-Ladeleistung von bis zu 22 kW.
Hyundai Ioniq 3 ab 28.950 Euro
Der Hyundai Ioniq 3 startet bei 28.950 Euro. Damit setzt Hyundai die Konkurrenz im Segment kompakter Elektroautos unter Druck. Für das Geld gibt es ein geräumiges, komfortabel gefedertes und überraschend effizientes Elektroauto.
Die kleineren Schwächen – insbesondere der mäßige Antritt und das fehlende Fahrerdisplay in den Basisversionen – ändern wenig am insgesamt soliden Eindruck. Gerade wer ein bezahlbares Elektroauto für den Alltag sucht und keine Sportwagen-Beschleunigung benötigt, sollte den Ioniq 3 auf dem Zettel haben.
Technische Daten Hyundai Ioniq 3
| Typ | Kompaktklasse |
| Motor | Elektromotor |
| Leistung | 100–108 kW / 135–147 PS |
| Drehmoment | 250 Nm |
| Höchstgeschwindigkeit | 170 km/h |
| 0–100 km/h | 9,0–9,6 s |
| Antrieb | Vorderradantrieb |
| Batterie | 42,2–61 kWh |
| Testverbrauch Stadt | 14,8 kWh/100 km |
| Gewicht | 1.625–1.735 kg |
| Zuladung | 360–465 kg |
| Abmessungen L/B/H | 4.155 / 1.800 / 1.505 mm |
| Ladevolumen | 441 Liter |
| DC-Laden | ca. 30 Min. von 10–80 % (große Batterie) |
| AC-Laden | optional bis 22 kW |
| Infotainment | Pleos Connect, 12,9 oder 14,6 Zoll |
| Preis | ab 28.950 Euro |

