Vor zehn Jahren begann McMurtry Automotive mit einer Handvoll Ingenieuren und einer ziemlich verrückten Idee. Heute baut das britische Unternehmen mit dem Spéirling PURE einen der spektakulärsten elektrischen Rennwagen der Welt. Ein Fahrzeug, das Rekorde in Goodwood und auf der Top-Gear-Teststrecke gebrochen hat und sogar kopfüber fahren kann. Zum zehnjährigen Bestehen blickt McMurtry zurück – und startet gleichzeitig die Produktion für Kunden.
Vom kleinen Elektroflitzer zum Rekordfahrzeug
Die Geschichte beginnt 2015 mit Sir David McMurtry, einem britischen Ingenieur und Mitgründer des Messtechnikunternehmens Renishaw. Er überzeugte Thomas Yates und Kevin Ukoko-Rongione, ihre Tätigkeiten im Formel-1-Umfeld aufzugeben und einen außergewöhnlichen Sportwagen zu entwickeln. 2016 startete das Projekt mit einem kleinen Ingenieurteam. Zwei Jahre später stand der erste Prototyp auf seinen Rädern: der D01.
Der kleine Elektro-Sportwagen wog gerade einmal 660 Kilogramm, leistete 400 PS und besaß eine 40-kWh-Batterie, Allradantrieb sowie eine Karbonkarosserie. Das Konzept erinnerte eher an ein Superbike auf vier Rädern als an einen klassischen Sportwagen. Fahrerisch überzeugte der D01, wirtschaftlich allerdings nicht. McMurtry musste eine neue Richtung einschlagen.
2.000 Kilogramm Abtrieb – auch im Stand
Die entscheidende Idee stammte von Sir David McMurtry: Warum nicht einen Lüfter verwenden, der das Fahrzeug regelrecht auf die Fahrbahn saugt? Das Prinzip war nicht neu. Bereits der Chaparral 2J von 1970 und der Brabham BT46B von 1978 nutzten Lüfter zur Erzeugung zusätzlichen Abtriebs.
McMurtry übertrug die Idee auf einen modernen Elektro-Rennwagen. Das Ergebnis war der Spéirling, dessen aktives Lüftersystem bereits im Stand bis zu 2.000 Kilogramm Abtrieb erzeugen kann. Während klassische Rennwagen ihren aerodynamischen Abtrieb erst mit steigender Geschwindigkeit aufbauen, besitzt der Spéirling bereits beim Losfahren außergewöhnlich viel Bodenhaftung.
Goodwood, Top Gear und eine Fahrt an der Decke
2022 gelang McMurtry der internationale Durchbruch. Beim Goodwood Festival of Speed stellte der Spéirling-Prototyp einen neuen Rekord auf der Bergrennstrecke auf. 2025 folgte der nächste Paukenschlag: Mit The Stig am Steuer unterbot der weiterentwickelte Spéirling PURE den bisherigen Rundenrekord auf der Top-Gear-Teststrecke, den zuvor ein Renault-Formel-1-Wagen aus dem Jahr 2004 gehalten hatte.
Im selben Jahr fuhr Thomas Yates mit dem Spéirling PURE kopfüber an einer speziell konstruierten Plattform entlang. Das Lüftersystem erzeugte genügend Anpresskraft, um das Fahrzeug gegen die Schwerkraft an der Decke zu halten.
Spéirling PURE geht in Produktion
McMurtry hat inzwischen eine neue Produktionsstätte in den englischen Cotswolds eröffnet. Dort soll die Fertigung des Spéirling PURE für Kunden aus aller Welt hochgefahren werden. 2026 fand außerdem die erste Veranstaltung des McMurtry Owners Club statt. Aus dem einstigen kleinen Team ist ein Unternehmen mit fast 100 Beschäftigten geworden.
Parallel bietet die Sparte McMurtry Technology die eigenen Batterie- und „Downforce on Demand“-Technologien auch anderen Automobil- und Motorsportherstellern an. Damit will McMurtry nicht nur eigene Rekordfahrzeuge bauen, sondern seine Entwicklungen breiter nutzbar machen.
Zehn Jahre McMurtry im Überblick
- 2016: Gründung von McMurtry Automotive und Start der Prototypenentwicklung.
- 2018: Fertigstellung des D01; Beginn der Forschung am Lüfterabtrieb.
- 2021: Vorstellung des Spéirling-Prototyps.
- 2022: Rekordfahrt beim Goodwood Festival of Speed.
- 2023–2024: Internationale Tests und Rekordfahrten unter anderem in Hockenheim, Castle Combe und Laguna Seca.
- 2025: Gründung der Technologiesparte, Top-Gear-Rundenrekord und kopfüber gefahrene Demonstration.
- 2026: Owners Club, neue Fabrik und Produktionsstart des Spéirling PURE.





