Manche Autos wirken, als wären sie für den Elektroantrieb geschaffen. Der Range Rover gehört dazu. Ruhe, Komfort und mühelose Kraftentfaltung waren schon immer seine Spezialität. Nun ersetzen zwei Elektromotoren den Verbrenner – und passen überraschend gut zum Charakter des britischen Luxus-Geländewagens.

Design: Bewusst vertraut
Auf den ersten Blick ist die elektrische Variante kaum von ihren Geschwistern zu unterscheiden. Kühlergrill, Räder und aerodynamische Details wurden angepasst, die klare Silhouette und die hohe Sitzposition bleiben. Range Rover setzt nicht auf Elektro-Show, sondern auf Wiedererkennung.

Antrieb: 542 PS mit guten Manieren
Ein Elektromotor an jeder Achse liefert gemeinsam 399 kW (542 PS) und 850 Nm. In 4,5 Sekunden geht es auf 100 km/h, bei 200 km/h endet der Vortrieb. Bemerkenswerter als die Zahlen ist die Abstimmung: Die Kraft setzt fein dosiert ein, nicht mit jenem schlagartigen Antritt, den manche anderen leistungsstarken Elektroautos kultivieren. Genau das passt zum souveränen Range Rover.
Fahrkomfort: Die eigentliche Stärke
Auf schlechten Straßen spielt die Federung ihre Qualitäten aus. Trotz 2.736 Kilogramm Leergewicht bleibt die Karosserie auch bei flotter Kurvenfahrt gut kontrollierbar. Im Dynamic-Modus lässt sich der große SUV erstaunlich flüssig bewegen. Die Lenkung arbeitet präzise, bietet aber wenig Rückmeldung. Wer ein besonders kommunikatives Lenkrad sucht, wird hier nicht glücklich – wer komfortabel reisen möchte, dagegen schon.

Gelände: Auch elektrisch ein echter Range Rover
Auf anspruchsvollen Passagen in Schottland mit Schlamm, tiefen Spurrillen und einer Flussdurchfahrt zeigte der Elektro-Range-Rover, dass seine Geländekompetenz nicht am Verbrennungsmotor hängt. Das Traktionsmanagement soll innerhalb von 50 Millisekunden auf Schlupf reagieren. Bis zu 45 Grad Steigfähigkeit und 90 Zentimeter Wattiefe nennt der Hersteller. Besonders angenehm ist die feine Dosierbarkeit des elektrischen Drehmoments, wenn es langsam über schwierigen Untergrund geht.

Batterie und Reichweite: Große Reserven
Die Batterie fasst 118,5 kWh. Das Datenblatt nennt bis zu 600 Kilometer Reichweite, ohne dass der zugrunde liegende Messzyklus im Quellbericht erläutert wird. Im Fahrbetrieb werden rund 530 Kilometer genannt; im Comfort-Modus gelten knapp 500 Kilometer als realistisch. Das sind Einschätzungen aus dem zugrunde liegenden Fahrbericht, keine von Electric Rides eigenständig ermittelten Messwerte.
Laden: Bis zu 350 kW
Mit 800-Volt-Technik und einer vom Hersteller angegebenen DC-Ladeleistung von bis zu 350 kW soll der Akku in etwa 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden. Wie konstant der Wagen diese Leistung tatsächlich hält, bleibt einem ausführlichen Ladetest vorbehalten. Angaben zur AC-Ladeleistung enthält die Quelle nicht.
Innenraum: Viel Ruhe, zu wenig Tasten
Das luxuriöse Ambiente bleibt erhalten. Der nahezu geräuschlose Antrieb verstärkt den Eindruck von Abgeschiedenheit. Weniger gelungen ist die Bedienung: Viele Funktionen laufen über den zentralen Touchscreen, manches erfordert unnötiges Scrollen. Auch die Sprachsteuerung ist nicht immer eine zuverlässige Abkürzung. Bei einem Auto dieser Preisklasse wäre eine direktere Bedienung wünschenswert.

Technische Daten
- Antrieb: zwei Elektromotoren, Allrad
- Leistung: 399 kW / 542 PS
- Drehmoment: 850 Nm
- 0–100 km/h: 4,5 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
- Batterie: 118,5 kWh
- Architektur: 800 Volt
- Reichweite: bis 600 km laut Datenblatt, rund 530 km im Quellbericht
- DC-Laden: bis 350 kW; 10–80 % in 22 Minuten laut Hersteller
- Leergewicht: 2.736 kg
- Kofferraum: 1.050–2.235 Liter
- Wattiefe: 90 cm
- Preis: ab 163.500 Euro
Fazit: Der passende Antrieb für den Luxus-Geländewagen
Die Elektrifizierung nimmt dem Range Rover wenig von seinem Charakter. Im Gegenteil: Der sanfte Antrieb, die Ruhe und die kontrollierbare Kraft unterstreichen seine Stärken. Die Bedienung über den Touchscreen und das wenig mitteilsame Lenkrad bleiben Schwachpunkte. Doch wer einen luxuriösen, souveränen Geländewagen sucht, bekommt hier ein überzeugendes Argument dafür, dass ein Range Rover keinen Verbrennungsmotor braucht.







