Die Elektroautos von Mercedes verkaufen sich offenbar deutlich besser, als selbst der Hersteller erwartet hatte. Vor allem der neue CLA und der elektrische GLC sorgen für volle Auftragsbücher. Wer Ende Oktober eines der beiden Modelle individuell konfiguriert bestellt, muss nach Angaben von Vertriebsvorstand Mathias Geisen mit rund sechs Monaten Lieferzeit rechnen. Eine Auslieferung wäre damit erst im Frühjahr 2027 zu erwarten.
CLA und GLC treiben die Nachfrage
Wie das Mercedes-Fanblog JESMB berichtet, zeigte sich Geisen am Rande der Feierlichkeiten zum 140-jährigen Bestehen der Marke positiv überrascht von den Bestellungen für die neuen 800-Volt-Modelle. Dabei geht es nicht nur um einen kurzen Ansturm zur Markteinführung. Bereits Anfang Oktober erklärte Mercedes offiziell, dass die elektrischen Modelle CLA, GLC, GLB und GLA in Europa für den Rest des Jahres 2026 ausverkauft seien. Die Bestellbücher reichen weit ins Jahr 2027.

Der CLA liefert ein besonders interessantes Beispiel. Einer Auswertung von Dataforce zufolge, über die das Handelsblatt und electrive berichten, kam die elektrische Limousine seit ihrem europäischen Marktstart im September 2025 auf mehr als 71.000 Zulassungen. Im Monatsdurchschnitt sind das rund 5.400 Fahrzeuge. Die vorherige CLA-Generation, die ausschließlich mit Verbrennungsmotoren angeboten wurde, lag in den Jahren 2021 bis 2024 bei durchschnittlich etwa 3.500 europäischen Neuzulassungen pro Monat. Die Zahlen beziehen sich allerdings auf unterschiedliche Marktphasen und sind deshalb kein vollständig gleichwertiger Modellvergleich.
Rekordquartal für elektrische Mercedes-Pkw
Auch die offiziellen Zahlen sprechen für einen Aufschwung. Im dritten Quartal 2026 setzte Mercedes-Benz Cars weltweit 68.400 vollelektrische Pkw ab, 61 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zusammen mit den elektrischen Transportern waren es 78.100 batterieelektrische Fahrzeuge, ein Plus von 52 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Der Anteil rein elektrischer Pkw am weltweiten Mercedes-Absatz stieg auf 16,8 Prozent. In Europa war laut Mercedes inzwischen nahezu jeder dritte verkaufte Pkw ein Elektroauto. Das zeigt, dass der Elektroantrieb bei der Marke längst nicht mehr nur eine Nebenrolle spielt – auch wenn sich die Entwicklung je nach Weltregion unterscheidet.
Mehr Schichten für Batterien und Fahrzeuge
Die hohe Nachfrage stellt die Produktion vor Herausforderungen. Im Batteriewerk Kamenz wird laut Geisen bereits seit Juni an sechs Tagen pro Woche in drei Schichten gearbeitet. Auch die Fahrzeugwerke in Bremen, Rastatt und Kecskemét laufen nach Mercedes-Angaben im Dreischichtbetrieb.
Gerade beim elektrischen GLC gab es während des Produktionsanlaufs Berichte über fehlende Komponenten. Inzwischen gewinnt das Modell an Fahrt: Im September schafften es sowohl der CLA als auch der GLC mit jeweils mehr als 2.000 Neuzulassungen unter die zehn meistzugelassenen Elektroautos in Deutschland. Für den GLC nennt die von electrive zitierte Dataforce-Auswertung europaweit fast 7.400 Neuzulassungen im September.
Gute Nachrichten – mit einer Einschränkung
Die Entwicklung dürfte Mercedes freuen. Jahrelang galt die Nachfrage nach teuren Elektroautos als unsicher. Nun sorgen ausgerechnet die neuen Modelle mit 800-Volt-Technik für längere Wartelisten. Offensichtlich treffen Reichweite, Ladeleistung und Fahrzeugkonzept bei vielen Kunden einen Nerv.
Eine sechsmonatige Lieferzeit ist allerdings nicht automatisch ein Beweis für einen dauerhaften Verkaufserfolg. Sie hängt auch davon ab, wie viele Fahrzeuge Mercedes produzieren kann und welche Varianten Kunden bestellen. Für Interessenten, die ihr neues Auto zeitnah benötigen, lohnt deshalb die Nachfrage nach bereits verfügbaren Händlerfahrzeugen.
Entscheidend wird sein, ob Mercedes den Schwung hält, wenn die erste Bestellwelle abgearbeitet ist. Die aktuellen Zahlen geben jedenfalls Anlass zu Optimismus – und zeigen, dass Elektroautos auch in der gehobenen Preisklasse keineswegs grundsätzlich schwer verkäuflich sein müssen.




