Ladepark des Mercedes-Benz Charging Network in Sandy Springs, Georgia

Mercedes verkauft sein Schnellladenetz in Europa an Electra

Mercedes-Benz betreibt in Europa kein eigenes Schnellladenetz mehr. Der Autobauer hat seine Ladeparks an den französischen Betreiber Electra verkauft. Betroffen sind 374 Schnellladepunkte an 47 Standorten. Für Fahrerinnen und Fahrer von Mercedes-Elektroautos soll der Zugang zu einem großen Ladenetz dennoch bestehen bleiben: Electra wird Premium-Partner der Marke und bietet vergünstigte Tarife.

47 Standorte wechseln zu Electra

Bekannt wurde der Verkauf über den Quartalsbericht von Mercedes-Benz. Darin bezifferte der Konzern den Wert der mit dem Geschäft verbundenen Vermögenswerte auf 99 Millionen Euro. Die 374 Schnellladepunkte an 47 europäischen Standorten gehören nun zum wachsenden Electra-Netz. Die Übernahme wurde am vergangenen Wochenende in die Systeme des Betreibers integriert; Kartenterminals und Beschilderung sollen schrittweise angepasst werden.

Als Premium-Partner steht Electra in der Mercedes-Partnerschaftshierarchie direkt hinter Ionity. Mercedes-Fahrer sollen zu vergünstigten Konditionen an mehr als 5.000 Electra-Ladepunkten an rund 800 Standorten in mehreren europäischen Ländern laden können. Der Hersteller setzt in Europa damit künftig vollständig auf Kooperationen mit externen Ladeanbietern.

Konsolidierung statt eigener Infrastruktur

Ein möglicher Hintergrund ist der Kostendruck im Schnelllademarkt. Gegenüber dem Magazin Electrive verwies Electra-Deutschlandchef Paul Tonini auf die zunehmende Bündelung des Marktes bei großen Betreibern. Für kleinere Netze werde es dadurch schwieriger, wirtschaftlich zu arbeiten. Ein größerer Anbieter kann Standorte, Betrieb und Auslastung über eine breitere Infrastruktur hinweg organisieren.

Mercedes-Benz hatte sein Charging Network erst vor drei Jahren gestartet. Das damalige Ziel: bis zum Ende des Jahrzehnts weltweit mehr als 10.000 Schnellladepunkte aufzubauen. Die Stationen nutzten leistungsstarke Technik von Alpitronic; an den meisten europäischen Standorten waren laut InsideEVs Ladegeräte mit bis zu 400 kW installiert. In diesem Jahr kamen erste Ladepunkte hinzu, die für bis zu 1.000 kW ausgelegt sind.

US-Geschäft bleibt unberührt

Der Verkauf betrifft ausschließlich das europäische Netz. Das Schnellladegeschäft von Mercedes-Benz in den USA bleibt davon unberührt. Die Entscheidung markiert dennoch einen Kurswechsel: Statt den eigenen Ausbau in Europa fortzuführen, sichert sich der Autobauer über Partner Zugang zu Ladeinfrastruktur – und kann seinen Kundinnen und Kunden weiterhin besondere Konditionen anbieten.