Reicweite eAutos im Winter (2)

Reichweite im Winter: Wie weit kommt ein Elektro-Auto noch?

Dass man die WLTP-Reichweitenangaben der Hersteller mit Vorsicht genießen muss, ist wohl jedem klar. Das gilt sowohl für eAutos, wie auch für Verbrenner. Doch während man bei letztgenannten einfach an die Tanke fährt, nachtankt und sich über den höheren Verbrauch ärgert, können die “Falsch-Angaben” bei elektrisch betriebenen Modellen wirklich zu einem Problem werden. Um den tatsächlichen Reichweiten auf die Spur zu kommen, testet man in Norwegen schon seit einigen Jahren genau diese unter Realbedingungen – und zwar im Winter!

Der norwegische Autofahrerverband NAF und die norwegische Autozeitschrift Auto.no haben im Februar 2024 insgesamt 23 eAutos auf die Probe gestellt. Besonders spannend dabei: Alle Wagen fuhren zeitgleich (in mehreren Gruppen) die gleiche Strecke und zwar bis zum Stillstand (Batterie komplett leer). Die Strecke führte dabei über etliche Höhenmeter, bergauf und bergab. Die Temperatur lag in diesem Jahr zwischen +4 und -11 Grad (Schneefall).

Die Ergebnisse des 2023er Tests haben wir in der folgenden Tabelle für euch zusammengefasst. Wobei wir sie nach der Abweichung von der WLTP-Reichweite sortiert haben. Sicher, auch die tatsächliche Reichweite unter winterlichen Bedingungen ist wichtig, doch die hängt natürlich auch massiv von der Batteriegröße und damit vom Kaufpreis des Fahrzeugs ab. Und mal ehrlich: Wenn ich mir nur einen Peugeot e-208 leisten kann, dann interessiert mich die Reichweite eines Audi Q8 e-tron nur begrenzt.

Reichweite im Winter: Wie weit kommt ein Elektro-Auto noch?

Wir fassen zusammen: Mit 32% Abweichung ist der Toyota bZ4X der Verliere dieses Teste, der hierzulande völlig unbekannte HiPhi Z leistet sich gerade einmal eine Reichweiten-Abweichung von 6% und ist damit klar der Gewinner. Interessant ist auch, dass vor allem die teureren Modelle von Mercedes, NIO, KIA und BMW mit relativ geringen Abweichungen zur WLTP-Reichweite punkten können, wären etwas günstigere Modelle wie der Volvo C40, der Jeep Avenger, der Peugeot e-308 oder auch der Hyundai Kona Elektro deutlich mehr Verluste offenbaren.

Alles in allem muss ich aber gestehen: Ich dachte, bei derartigen Witterungsbedingungen würde die Reichweite deutlich stärker leiden. Aber man muss wohl dazu sagen, dass der norwegische Test natürlich nicht auf einer deutschen Autobahn vorgenommen wurde. Zwar haben wir beim NAF keine Angaben zum Durchschnittstempo gefunden, aber wir dürften uns deutlich unter den 100 km/h befinden. Dennoch: Selbst der Jeep Avenger schaffte in diesem Test noch knapp 290 km und damit die Strecke von Hannover nach Kiel oder von Frankfurt am Main nach Duisburg locker.

Eine Sache ist beim Test von NAF und Motor.no aber noch anzumerken: Leider finden sich keine Aussagen zu den exakten Modellbezeichnungen, was die schlussendlich Aussage zur Reichweite etwas schwierig macht. Lediglich die angegebene WLTP-Reichweite gibt einen Aufschluss über die gefahrene Variante.