Bei Volkswagen scheint es endlich Klick gemacht zu haben. Nach Jahren, in denen bezahlbare Elektroautos zwar angekündigt, aber oft nicht wirklich greifbar waren, geht VW mit dem ID. Cross spürbar in den Preisangriff. Ein kompaktes Elektro-SUV, alltagstaugliche Reichweite, vertraute Marke und ein Einstiegspreis gut unter 30.000 Euro.
Nur ist VW in diesem Preisfeld längst nicht mehr allein. Im ersten Vergleich war der Leapmotor B10 deshalb spannend, weil er für grob ähnliches Geld spürbar eine Klasse größer wirkte – mehr Auto, mehr Raum, mehr Gegenwert.
Wie sieht es also aus, wenn wir nur auf die Klasse schauen? Auch hier hat Leapmotor bereits die heimischen Häfen angesteuert und lässt den B03X anrollen.
Wir gehen in die Details!
Die wichtigsten Daten im Überblick
| Kriterium | VW ID. Cross | Leapmotor B03X |
| Preis | ab 27.995 Euro Topversion ab 39.100 Euro |
ab 24.900 Euro Topversion ab 29.400 Euro |
| Länge | 4,15 m | 4,27 m |
| Kofferraum | 475 l plus Frunk | 407 l |
| Akku | 37 oder 52 kWh | 39,8 oder 53,0 kWh |
| Reichweite WLTP | 316 bis 436 km | 292 bis 382 km |
| Leistung | 85 kW (116 PS), 99 kW (135 PS) 155 kW (211 PS) |
130 kW (177 PS) 145 kW (197 PS) |
| DC-Laden | 90 oder 105 kW ca. 24 min von 10–80 % |
100 oder 133 kW ca. 22 min von 10–80 % |
Preis: Hier wird es für VW sofort schwierig
Kommen wir direkt auf den Punkt – was soll’s kosten? Der ID. Cross soll bei Volkswagen die bezahlbare Elektroklasse eröffnen. Der angekündigte Einstiegspreis von 27.995 Euro klingt also erst mal genau nach dem Signal, das viele lange erwartet haben. Allerdings liegt der Leapmotor Einstiegs-B03X mit 39-kWh-Akku bereits mit 24.900 Euro nicht unerheblich darunter. Die Topversion des B03X mit 53-kWh-Akku startet bei 29.400 Euro, wobei da nicht mehr viel Luft nach oben ist. Bei Volkswagen startet der Top-ID. Cross bei saftigen 39.100 Euro und bei knapp 43.000 Euro kommt man langsam an die Grenzen. Das ist ein heftiger Unterschied zum Leapmotor und wir müssen wirklich einen Blick auf die beiden werfen, warum der Volkswagen im Einstieg bereits fast so viel kostet wie der Leapmotor in höchster Ausstattung.
Punkt Preis: sowas von eindeutig der Leapmotor B03X.

Größe und Alltagsplatz: gleiche Klasse, unterschiedliche Stärken
Mit rund 4,27 Metern ist der B03X etwas länger als der ID. Cross, der bei etwa 4,15 Metern liegt. Beide spielen damit klar in der kompakten SUV-Klasse. Beim Kofferraum dreht Volkswagen den Spieß aber um. Der ID. Cross bietet trotz kleineren Ausmaßen 475 Liter plus kleinen 25 Liter Frunk, während der B03X mit 407 Litern auskommen muss. Wichtig bei beiden: der Stauraum unterhalb des Kofferraum-Ladebodens – beim ID. Cross 102 Liter und beim B03X 105 Liter – ist hier bereits mit einberechnet. Optisch stehen beide sehr gut da, obwohl der ID. Cross breiter, reifer und klar europäischer aussieht. Der B03X ist runder und freundlicher – besonders das Heck mit den bewusst lächelnden Rückleuchten drückt dies aus.
Punkt Alltag und Raum: VW ID. Cross

Akku und Reichweite: VW hat mehr Reserve
Bei der Reichweite liegt der ID. Cross vorn, obwohl die Akkugrößen fast identisch sind. Die kleinere 37-kWh-VW-Batterie kommt auf rund 316 Kilometer WLTP, die größere mit 52 kWh auf bis zu gut 430 Kilometer. Der B03X startet mit 39,8 kWh bei 292 Kilometern und erreicht mit dem größeren 53-kWh-Akku bis zu 382 Kilometer. Für Alltag und Pendeln reicht das bei beiden, aber wer maximale Reserven in dieser Klasse sucht, bekommt sie eher beim VW. Von beiden gibt es noch keine Alltagstests mit realen Reichweiten, dennoch konnte der ID. Cross bereits im Covered Drive eine extrem gute Effizienz zeigen.
Punkt Reichweite: VW ID. Cross.
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Laden: Größe ist nicht alles
Beim Schnellladen wirkt der B03X auf dem Papier stärker. Je nach Akku lädt er mit bis zu 100 oder 133 kW, während der ID. Cross bei 90 oder 105 kW liegt. Die reinen Ladezeiten von 10 auf 80 Prozent liegen trotzdem nah beieinander: grob 21 bis 22 Minuten beim Leapmotor und etwa 23 bis 24 Minuten beim VW. Der B03X hätte einen Vorteil, wenn die Peak-Ladeleistung von 133 kW lange genug anhält. So könnte man mit kürzeren und dafür schnelleren Ladestopps schneller sein als der ID. Cross. Aber das ist zum aktuellen Stand eine Vermutung. Effektiv sind im Alltag ein bis zwei Minuten kein Dealbreaker, daher geben wir, ohne den Preisunterschied zu beachten, ein zugegeben diskutables Unentschieden.
Punkt Laden: Unentschieden.

Leistung: Je nach Version wird es enger als erwartet
Der B03X leistet 130 kW (176 PS) oder 145 kW (197 PS). Das ist für diese Klasse ordentlich und liegt deutlich über dem, was Elektroautos dieser Preisklasse bisher geboten haben. Volkswagen stellt den ID. Cross mit 85 kW (115 PS), 99 kW (135 PS) und 155 kW (210 PS) flexibler auf. Die stärkste VW-Version ist also etwas kräftiger, aber die günstigeren Varianten liegen spürbar unter dem Leapmotor.
Punkt Leistung: Unentschieden.
Innenraum und Bedienung: VW vertraut, Leapmotor digitalisiert
Der ID. Cross geht beim Bedienkonzept wieder stärker in Richtung klassischer Volkswagen. Echte Tasten, Drehregler und eine insgesamt vertrautere Logik dürften genau die Kundengruppe abholen, die mit den frühen ID-Modellen und deren Touch-Fokus gehadert hat. VW wirkt hier spürbar bemüht, Kritikpunkte der Vergangenheit zu entschärfen. Beim Lenkrad ist VW gefühlt etwas über das Ziel hinausgeschossen, denn es wirkt mit der Zeit doch etwas überladen und ungenutzter Platz wird unschön mit Plastikblenden leer gehalten.

Der Leapmotor B03X setzt dagegen, ähnlich wie der größere B10, klar auf ein digitales und cleaneres Bedienkonzept. Viele Funktionen laufen über den zentralen Bildschirm, die Optik ist aufgeräumt, ruhig und modern. Die Grundidee bleibt dieselbe, nur eben auf das kompaktere Modell übertragen. Das kann frisch und zeitgemäß wirken, verlangt aber mehr Bereitschaft, sich auf Bildschirmmenüs einzulassen. Gerade in einem kleinen Elektro-SUV ist das nicht automatisch ein Nachteil, denn Leapmotor schafft damit ein sehr cleanes Cockpit. Gleichzeitig bleibt der VW für Fahrerinnen und Fahrer greifbarer, die wichtige Funktionen lieber direkt per Taste oder Regler bedienen.

Am Ende entscheidet hier weniger die reine Technik, sondern die Gewohnheit. Der B03X übernimmt den digitalen Ansatz des B10 glaubwürdig in die Kompaktklasse und wirkt dadurch modern.
Beide Innenräume wirken auf ihre Weise hochwertig, wobei im ID. Cross Stoffoberflächen und im B03X unterschäumter Kunststoff dafür sorgen sollen. Auf der Rückbank verliert sich der Eindruck jedoch beim VW recht schnell und Hartplastik findet man häufiger als im Leapmotor. Dieser spendiert der zweiten Sitzreihe mehr weiche Oberflächen. Im Einstieg liefern beide unbeheizte Stoffsitze und können gegen Aufpreis zu beheiztem Kunstleder werden. Volkswagen punktet hier mit den optionalen Ergo-Active-Sitzen, die zusätzlich eine Massagefunktion anbieten. Ein weiterer Bonus für das Innenraumgefühl ist das optionale Panoramadach des ID. Cross. Hier hat Leapmotor gespart, das europäische Modell kommt ohne.
Vorne sitzt man in beiden geräumig, hoch und hat eine sehr gute Übersicht. Im B03X hat man hinten, typisch chinesisch, mehr Beinfreiheit und dafür einen kleineren Kofferraum. Es kommt also darauf an, was im Alltag wichtiger ist. Hier hat Leapmotor noch einen Bonus eingebaut. Die Sitzflächen der Rückbank, auch Magic Seats genannt, lassen sich hochklappen, um flexibel ordentlich Stauraum zu schaffen. Auch die Vordersitze lassen sich weit nach vorne oder hinten klappen, sodass der B03X zum Raumwunder werden kann – nicht schlecht.

Der ID. Cross punktet mit mehr Vertrautheit, einfacher Bedienung, mehr Komfortoptionen und dürfte besonders klassische VW-Kunden schneller überzeugen. Der B03X bietet einen auf den ersten Blick hochwertigeren Innenraum, mehr Platz für Passagiere und Flexibilität. Beide liefern gute und sinnvolle Features, die alle ihre Vorteile haben. Wenn wir den Preis ausblenden, ist es Geschmacksache.
Punkt Innenraum & Bedienung: Unentschieden.
Ausstattung und Features
Bei der Ausstattung muss man aufpassen, denn praktisch alles, was Leapmotor beim B03X listet, findet man in ähnlicher Form auch beim ID. Cross. Beide bieten moderne Konnektivität, digitale Anzeigen, viele Assistenzsysteme, Rückfahrkamera, LED-Licht, App-Anbindung und ein insgesamt ziemlich vollständiges Technikpaket. Der B03X wirkt dabei vor allem deshalb so stark, weil vieles davon inklusive zahlreicher Assistenzsysteme (über 21) und Soundsystem zu einem deutlich niedrigeren Preis im Auto steckt.
Volkswagen steht dem aber stark gegenüber. Der ID. Cross kann mit Konnektivität, IQ.Drive Pro inklusive Car2X oder Harman-Kardon-Soundsystem ebenfalls sehr umfangreich ausgestattet werden. Dazu kommen Funktionen, die im Alltag richtig wertvoll sein können: Ergo-Active-Sitze mit Massagefunktion, ein Panoramaglasdach und eine Anhängerkupplung mit bis zu 1.200 Kilogramm Anhängelast. Das sind keine Spielereien, sondern echte Argumente für Familien, Pendler oder alle, die das Auto vielseitiger nutzen möchten.

Der B03X kontert mit einem sehr kompletten Paket und cleveren Innenraumlösungen, aber bei der maximal möglichen Ausstattung wirkt Volkswagen etwas breiter aufgestellt.
Damit ist die Wertung zweigeteilt: Bei Ausstattung ohne Preisbetrachtung geht der Punkt an den ID. Cross. Beim Gegenwert fürs Geld bleibt der B03X klar stärker, weil er sehr viel Technik zu einem deutlich niedrigeren Endpreis liefert. Für dieses Kapitel zählt hier aber bewusst die reine Ausstattungstiefe. Und dort hat Volkswagen mit den optionalen Alltags-Extras knapp die logischere Argumentation.
Punkt Ausstattung und Features: VW ID. Cross.
Punkte-Endstand: Leapmotor B03X 4 : 6 VW ID. Cross.
| Kapitel | Wertung |
| Preis | Leapmotor B03X |
| Alltag und Raum | VW ID. Cross |
| Reichweite | VW ID. Cross |
| Laden | Unentschieden |
| Leistung | Unentschieden |
| Bedienung & Innenraum | Unentschieden |
| Ausstattung & Features | VW ID. Cross |
Fazit: VW gewinnt den Vergleich, Leapmotor die Preisfrage
Preisunabhängig ist der ID. Cross in diesem Vergleich das stärkere Auto. Volkswagen liefert mehr Reichweite, mehr Kofferraum, mehr optionale Alltagsfunktionen und vermutlich auch das vertrautere, einfachere Bedienkonzept. Dazu kommen klassische VW-Vorteile wie Händlernetz, Markenvertrauen und das Gefühl, ein Auto zu bekommen, das im europäischen Alltag sehr sauber durchdacht ist. Der Punkte-Endstand zeigt genau das: Wenn der Preis keine Rolle spielt, spricht vieles für den ID. Cross.
Trotzdem ist die Sache damit nicht erledigt. Denn Leapmotor setzt mit dem B03X einen Standard dafür, was ein gut ausgestattetes Elektro-SUV dieser Klasse eigentlich kosten kann. Der B10-Vergleich hat bereits gezeigt, wie viel Auto Leapmotor fürs Geld liefert. Im direkten Klassenvergleich mit dem B03X wird nun noch klarer, wie groß der Preisabstand zu etablierten Herstellern inzwischen geworden ist. Der ID. Cross kann vieles besser und bietet in der Spitze auch mehr, aber der finanzielle Unterschied ist heftig.
Denn wenn der ID. Cross mit allen Extras (vergleichbar mit der Vollausstattung des Leapmotor) über 43.000 Euro kostet und der Leapmotor B03X nach aktuellem Stand bei 29.400 Euro endet, reden wir nicht mehr über einen kleinen Aufpreis für Marke, Bedienung oder ein paar zusätzliche Funktionen. Knapp 15.000 Euro Unterschied sind in dieser Fahrzeugklasse kein normaler Kompromiss mehr, sondern eine echte Grundsatzfrage. Wer den Preis wieder mit in die Bewertung nimmt, fragt sich bei fast jedem VW-Vorteil automatisch: Ist mir genau dieser Vorteil wirklich so viel Geld wert?
Genau deshalb ist das Fazit zweigeteilt. Der ID. Cross ist objektiv das rundere und in vielen Punkten bessere Auto. Der Leapmotor B03X ist aber das Auto, das die Preisfrage neu stellt. Und diese Frage ist in der Elektro-Kompaktklasse vielleicht wichtiger als jeder einzelne Punkt in der Tabelle.

